Zum Stadtteil Löpsingen

Löpsingen liegt nahezu im Zentrum des Nördlinger Rieses, ca. 5 km nordöstich von Nördlingen, an der B 466.
Das ursprünglich selbständige Dorf mit mehr als 1000 Einwohnern wurde im Jahre 1973 in die Stadt Nördlingen eingemeindet.

Löpsingen ist ein konfessionell gemischter Ort, der jedoch überwiegend evangelisch ist.

 

kirche-loepsingen

Ursprünglich war das Domkapitel Augsburg der größte Grundherr im Dorf, wurde aber im Laufe der Jahrhunderte weitgehend von den Grafen von Oettingen entmachtet. Bis zum Jahr 1806 waren die Fürsten von Oettingen–Wallerstein die Landesherren von Löpsingen, das infolge der Mediatisierung nun zu einem Teil des Königreiches Bayern wurde.

Im Jahre 1524 wandten sich auf Betreiben Karl Wolfgangs von Oettingen die Zisterzienserinnen von Klosterzimmern der neuen Lehre Martin Luthers zu und von dort fand das reformatorische Gedankengut bald Eingang und bereitwillige Aufnahme in Löpsingen. Es dauerte schließlich noch bis 1538, als dann der Pfarrvikar Johannes Mendlin in der Michaelskirche in Löpsingen auf Deutsch und evangelisch predigte und Gläubigen das Abendmahl in beiderlei Gestalt reichte. Daher gilt Johannes Mendlin, der von 1538 – 1541 als Pfarrer in Löpsingen wirkte, als dessen eigentlicher Reformator.
Trotz mancher Spannungen mit der katholischen Kirche, die aus den ungewöhnlichen Kirchen-, Pfarrei- und Besetzungsrechten der Pfarrstelle in Löpsingen herrührten, blieb Löpsingen von da an uneingeschränkt protestantisch.

Nach dem zweiten Weltkrieg gab es in Löpsingen, aber auch in den Nachbargemeinden Dürrenzimmern und Pfäfflingen, einen starken Zustrom Vertriebener aus den Ostgebieten,  vor allem aus dem Sudetenland, aus Schlesien und Ostpreußen, die überwiegend katholisch waren. Für ihren Gottesdienst stellte ihnen die evangelische Kirchengemeinde den Kindergarten zur Verfügung.

So entstand der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus, der auch zielstrebig umgesetzt wurde.

Löpsingen hat deshalb zwei Kirchen:

  • die evangelische St. Michaelskirche (Chor um ca. 1260, Schiff Ende des 15. Jahrhunderts)
  • die katholische Kirche St. Pius (aus dem Jahre 1965)

Zur Pfarrei St. Pius

Auch die Katholiken aus den Stadtteilen Pfäfflingen und Dürrenzimmern gehören zu St. Pius Löpsingen.
Die Pfarrei St. Pius ist eine Filiale der Pfarrgemeinde St. Martin Deiningen.

Seit Januar 2010 gehören beide zur Pfarreiengemeinschaft Nördlingen.

Seelsorgerisch betreut und geleitet wird St. Pius von H. H. Geistlicher Rat Dekan Paul Erber mit tatkräftiger Unterstützung seines Teams.

Ansprechpartner für Informationen, Fragen und Wünsche zu unserer Pfarrgemeinde ist das Pfarrbüro St. Josef.


Zur Kirche St. Pius

kirche-loepsi

Während die evangelische Michaelskirche den Ortskern prägt, liegt die katholische Kirche St. Pius im Neubaugebiet am südöstlichen Ortsrand von Löpsingen und ist mit dem Altarbereich nach Osten gerichtet.

Das neue katholische Gotteshaus sollte in seinem Erscheinungsbild Rücksicht auf den besonderen Charakter der Rieslandschaft nehmen, von bescheidener, aber ansprechender Architektur sein und auch nicht überheblich gegenüber der alten evangelischen Kirche wirken.

An der Ausschreibung nahmen teil: Alfred Back (Göggingen), Erwin Dirrheimer (Stuttgart), Helmut Haberbosch (Lauingen), Franz Kotouczek (Nördlingen) sowie Helmut Nossek (Neresheim).
Architekt Helmut Haberbosch erhielt den Zuschlag.

Der erste Spatenstich erfolgte am 01. Juni 1964. Bereits ein Jahr später, am 28. August 1965, wurde die Kirche auf den Namen von Papst Pius X. geweiht.

Weiterlesen

An den Sakralraum schließen sich im Norden die Sakristei und die Jugendräume an, so dass sich als Grundriss des Gesamtbaus annähernd ein Quadrat ergibt. Der schlichte Bau mit der asymmetrischen Dachform, die auf der Nordseite weit nach unten gezogen ist, fügt sich gut in die Umgebung des neuen Wohnviertels ein. Wie in altchristlicher Zeit steht der schlichte 24 m hohe Turm mit dem steil aufragenden Zeltdach und seinen zwei Glocken etwas abgesetzt auf der Nordseite der Kirche.

Eine der beiden Glocken wurde ursprünglich (um 1950) für die Pfarrkirche St. Margaretha in Laub erworben. Da sie aber klanglich nicht zu den anderen Glocken passte, fand sie auf auf dem Kirchturm in Löpsingen eine neue Heimat.

Durch die bewusst sehr hell gehaltene Fassadenfarbe kommen die farbigen Glasfenster der Südseite gut zur Geltung.

Ost- und Westgiebel der Kirche werden durch die beiden in farbigem Glas ausgeführten Giebelkreuze aufgelockert.

Das Hauptportal trägt den Wahlspruch von Pius X.: "Alles in Christus erneuern".

 

Literatur:
Markus Würmseher: Kirchenbau im Bistum Augsburg 1945 bis 1970, Jahrbuch des Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte, Jg. 41, 2007, S. 448 ff.
Literatur zur Geschichte: Festschrift der SpVgg Löpsingen von 1997
Alfred Bäurle, Die Pfarrkirche Sankt Margaretha Laub

Wunder, Marco / Martin, Johann, Löpsingen: Die Geschichte eines Dorfes, 2013


Das Gute, das man hat,
nimmt man als selbstverständlich hin,
und von dem, was einem fehlt, macht man mehr,
als man bei richtiger und dankbarer Betrachtung daraus machen sollte.

Theodor Fontane, 1819 - 1898
deut. Schriftsteller