Keine Verlängerung des irdischen Lebens
Zustand der Läuterung


Allgemein

 

Papst Johannes Paul II. zum Thema "Fegefeuer"

Ansprache bei der Generalaudienz am 04. August 1999

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"In den letzten beiden Katechesen haben wir die Alternative beleuchtet, die den Menschen vor die Wahl stellt: entweder mit dem Herrn in Ewigkeit zu leben oder seiner Gegenwart fern zu bleiben. Anders gesagt: Der Mensch hat die Wahl zwischen Himmel und Hölle. Viele haben sich zwar Gott geöffnet, aber das Leben mit Gott blieb unvollkommen.

Um die volle Seligkeit zu erlangen, bedarf der Mensch einer Art "Reinigung", die der Glaube der Kirche mit dem Begriff "Fegfeuer" umschreibt. Diese Bezeichnung meint keinen Ort, sondern einen Zustand. Alle, die nach dem Tod für die Begegnung mit Gott noch "gereinigt" werden, sind schon in der Liebe Christi. Dabei ist das Fegfeuer nicht die Verlängerung des irdischen Lebens. Der Mensch kann sich nicht noch einmal neu entscheiden. Er kann im Fegfeuer nicht nachholen, was er einst auf Erden versäumt hat.

Gleichzeitig bleibt ihm aber die Solidarität der Kirche nicht versagt. Die pilgernde Kirche tritt für ihn ein durch Gebet und Werke der Liebe. So wird die Reinigung von einem Band gehalten, das besteht zwischen denen, die noch auf dieser Welt leben, und jenen, die schon die ewige Seligkeit genießen dürfen."


Fegefeuer: Aussagen im Katechismus der katholischen Kirche (Vatikan) - 1992 -

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Der Katechismus der Katholischen Kirche ist eine „Darlegung des Glaubens der Kirche und der katholischen Lehre, wie sie von der Heiligen Schrift, der apostolischen Überlieferung und vom Lehramt der Kirche bezeugt oder erleuchtet wird“ (Papst Johannes Paul II. Apostolische Konstitution: Fidei depositum, Nr. 4).

Eine Kommission unter Vorsitz von Joseph Kardinal Ratzinger hat ihn von 1986 bis 1992 erarbeitet.

Er enthält folgende Aussagen zum Thema "Fegefeuer":

Die abschließende Läuterung - das Purgatorium (Kapitel 1030 - 1032):

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Die abschließende Läuterung - das Purgatorium (Kapitel 1030 - 1032):

(1030) Wer in der Gnade und Freundschaft Gottes stirbt, aber noch nicht vollkommen geläutert ist, ist zwar seines ewigen Heiles sicher, macht aber nach dem Tod eine Läuterung durch, um die Heiligkeit zu erlangen, die notwendig ist, in die Freude des Himmels eingehen zu können.

(1031) Die Kirche nennt diese abschließende Läuterung der Auserwählten, die von der Bestrafung der Verdammten völlig verschieden ist, Purgatorium [Fegefeuer]. Sie hat die Glaubenslehre in bezug auf das Purgatorium vor allem auf den Konzilien von Florenz [Vgl. DS 1304] und Trient [Vgl. DS 1820; 1580] formuliert. Im Anschluss an gewisse Schrifttexte [Vgl. z.B. 1 Kor 3,15, 1 Petr 1,7] spricht die Überlieferung der Kirche von einem Läuterungsfeuer:

"Man muss glauben, dass es vor dem Gericht für gewisse leichte Sünden noch ein Reinigungsfeuer gibt, weil die ewige Wahrheit sagt, dass, wenn jemand wider den Heiligen Geist lästert, ihm `weder in dieser noch in der zukünftigen Welt‘ vergeben wird (Mt 12,32). Aus diesem Ausspruch geht hervor, dass einige Sünden in dieser, andere in jener Welt nachgelassen werden können" (Gregor d. Gr., dial. 4,39).

(1032) Diese Lehre stützt sich auch auf die Praxis, für die Verstorbenen zu beten, von der schon die Heilige Schrift spricht: "Darum veranstaltete [Judas der Makkabäer] das Sühnopfer für die Verstorbenen, damit sie von der Sünde befreit werden" (2 Makk 12,45). Schon seit frühester Zeit hat die Kirche das Andenken an die Verstorbenen in Ehren gehalten und für sie Fürbitten und insbesondere das eucharistische Opfer [Vgl. DS 856] dargebracht, damit sie geläutert werden und zur beseligenden Gottesschau gelangen können. Die Kirche empfiehlt auch Almosen, Ablässe und Bußwerke zugunsten der Verstorbenen.

"Bringen wir ihnen Hilfe und halten wir ein Gedächtnis an sie. Wenn doch die Söhne Ijobs durch das von ihrem Vater dargebrachte Opfer geläutert wurden [Vgl. Ijob 1,5], wie sollten wir dann daran zweifeln, dass unsere Opfergaben für die Toten ihnen Trost bringen? Zögern wir nicht, den Verstorbenen Hilfe zu bringen und unsere Gebete für sie aufzuopfern" (Johannes Chrysostomus, horn. in 1 Cor. 41,5)


Wenn es überhaupt eine Möglichkeit gibt,
einen anderen Menschen positiv zu ändern,
dann doch nur, indem man ihn liebt,
und ihn so langsam sich wandeln hilft von dem, was er ist,
zu dem hin, was er sein kann.

Joseph Ratzinger, *1927
Papst Benedikt XVI. seit 2005



 

Fegefeuer: Aussagen des Erwachsenenkatechismus der Deutschen Bischofskonferenz

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Der Katholische Erwachsenen-Katechismus erläutert in zwei Bänden das Glaubensbekenntnis der Kirche (Band 1, 1985) und das Leben aus dem Glauben (Band 2, 1995) aus der Sicht der römisch-katholischen Kirche.
Band 1, S.424 / 425, Aussagen zum Fegefeuer

Das Fegefeuer (lat.: purgatorium) ist nach der römisch-katholischen Lehre ein Zustand der Läuterung, in dem die Seele eines Verstorbenen auf den Himmel vorbereitet wird. Das Christentum lehrt ein Leben nach dem Tod. Wenn der Christ von Gott angenommen wird, wird dieses Leben nach dem Tod in Gottesnähe stattfinden. Der Zustand dieser Gottesnähe wird als Himmel, himmlisches Jerusalem etc. bezeichnet. Da die katholische Kirche jedoch davon ausgeht, dass "nichts Unreines in den Himmel kommen kann", ist die Vorstellung eines Zustandes der Läuterung entstanden, welcher Fegefeuer genannt wird.

 

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Die Lehre vom Fegfeuer wurde bereits im Judentum vorbereitet. Sie findet sich im Neuen Testament jedoch nur andeutungsweise. Die kirchliche Tradition stützt sich vor allem auf ein Wort Jesu, das die Möglichkeit der Vergebung in der künftigen Welt andeutet (vgl. Mt 12,32; 5,26), und auf ein Wort des Apostels Paulus, der von der Möglichkeit spricht, gerettet zu werden "wie durch Feuer hindurch" (1 Kor 3,15).

Die eigentliche Grundlage dieser Lehre ist jedoch die Gebets- und Bußpraxis der Kirche. Schon am Ende des Alten Testaments wird das Gebet für die Verstorbenen als ein heiliger und frommer Gedanke bezeichnet (vgl. 2 Makk 12,45). Wir finden diese Praxis - wie nicht zuletzt viele Inschriften in den Katakomben zeigen - von Anfang an in der Kirche (vgl. LG 50). Diese Gebetspraxis setzt nicht nur ein Leben nach dem Tod voraus, sondern auch, dass es nach dem Tod für den Menschen noch eine Läuterungsmöglichkeit gibt.

Zwar kann der Mensch nach Abschluss seines irdischen Pilgerdaseins nicht mehr aktiv an seiner Heiligung mitwirken; aber er kann durch Leiden geläutert und gereinigt werden. Die ganze Gemeinschaft der Heiligen kann ihm stellvertretend durch Gebet, Almosen, gute Werke und eigene Buße und nicht zuletzt durch die Feier der Eucharistie zur Seite stehen. Diese Überzeugung drückte sich zunächst vor allem in der Praxis des Gebets und Opfers für die Verstorbenen aus; erst allmählich wurde sie in der Lehre vom Zwischenzustand geklärt. Unser deutsches Wort "Fegfeuer" ist dabei eine recht unglückliche Übersetzung des amtlichen Wortes "purgatorium", "Läuterungsort" bzw. "Läuterungszustand".

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Wenn vom Feuer die Rede ist, so ist dies ein Bild, freilich ein Bild, das auf eine tiefere Realität verweist. Das Feuer lässt sich verstehen als die läuternde, reinigende und heiligende Kraft der Heiligkeit und Barmherzigkeit Gottes.

Die im Tod sich ereignende Begegnung mit dem Feuer der Liebe Gottes hat für den Menschen, der sich zwar grundsätzlich für Gott entschieden, aber diese Entscheidung nicht konsequent verwirklicht hat und hinter dem Ideal zurückgeblieben ist - und bei wem wäre dies nicht der Fall! -, eine läuternde und umwandelnde Kraft, die alles beim Tod noch Unvollkommene richtet, reinigt, heilt und vollendet.

Das Fegfeuer ist also Gott selbst in seiner reinigenden und heiligenden Macht für den Menschen. Auf diesem Hintergrund sind die Lehraussagen der Kirche über das Fegfeuer verstehbar.

Die katholische Lehre mahnt jedoch zur Zurückhaltung: "Keinen Platz aber haben in den volkstümlichen Predigten vor dem ungebildeten Volk schwierige und spitzfindige Fragen, die die Erbauung nicht fördern und meist die Frömmigkeit nicht mehren." Die Bischöfe sollen deshalb verbieten, was "nur einer Art Neugierde dient oder dem Aberglauben oder nach schmählichem Gewinn aussieht" (DS 1820; NR 908). So ist bei aller Festigkeit in der Lehre eine deutliche Mahnung zur Nüchternheit festzustellen, die naive oder phantasievolle Spekulationen zurückweist.

Die volkstümliche Rede von den "armen Seelen" ist insofern berechtigt, als deren Armut darin besteht, dass sie sich nicht aktiv, sondern nur passiv läutern und heiligen können. Im Grunde handelt es sich jedoch nicht um "arme Seelen", sondern um Seelen, die den ganzen Reichtum der Barmherzigkeit Gottes erfahren und die uns in der Verwirklichung der Hoffnung und in der Nähe zu Gott einen wesentlichen Schritt voraus sind.

Ihr Schmerz besteht im Angesicht Gottes eben darin, dass sie noch nicht lauter genug sind, um sich von Gottes Liebe ganz erfüllen und beseligen lassen zu können. Es handelt sich also um den reinigenden Schmerz der Liebe. In dieser Liebe sind alle Glieder des einen Leibes Jesu Christi solidarisch verbunden. Deshalb können sie betend und büßend füreinander einstehen und so für den Leib Jesu Christi, die Kirche, das ergänzen, "was an den Leiden Christi noch fehlt" (Kol 1,24).

Nicht als ob Jesus Christus durch sein Leiden und Sterben nicht genug getan hätte zu unserer Erlösung. Im Gegenteil, er hat mehr als genug getan und lässt uns an der Auswirkung seines Heilswerkes teilnehmen, so dass wir stellvertretend etwas für das Heil der anderen tun können.


Meine Vergangenheit kümmert mich nicht mehr.
Sie gehört dem göttlichen Erbarmen.
Meine Zukunft kümmert mich noch nicht.
Sie gehört der göttlichen Vorsehung.
Was mich kümmert, und was mich fordert,
ist das Heute,
das gehört der Gnade Gottes
und der Hingabe meines Herzens, meines guten Willens.

Franz von Sales, 1567 - 1622
Bischof, Kirchenlehrer


lutherische Sichtweise

Das Fegefeuer im evangelisch-lutherischen Verständnis

Martin Luther

Die Kirchen des Ostens teilen mit der katholischen Kirche die Praxis des Gebets und Opfers für die Toten. Aber sie haben den lehrhaften Klärungsprozess nicht mit vollzogen. Die Reformatoren haben die Fegfeuerlehre ganz verworfen, weil sie in der darin begründeten Praxis des Gebets und Opfers für die Toten einen Angriff auf die Alleingenügsamkeit des Kreuzesopfers Jesu Christi sahen (vgl. CA 24).

"Darum ist das Fegfeuer mit all seinem Gepränge, Gottesdienst und Gewerbe für ein lauter Teufelsgespenst zu achten. Denn es ist gegen den Hauptartikel, nach dem allein Christus und nicht Menschenwerk den Seelen helfen soll, abgesehen davon, dass uns auch sonst nichts von den Toten befohlen noch geboten ist. Deshalb könnte man es wohl lassen, wenn es schon kein Irrtum oder Abgötterei wäre." (Martin Luther)

Die von der katholischen Kirche gebotene Fürbitte für die Verstorbenen regt ein Gedenken an die Toten an, erinnert auch den Beter daran, dass er sterben muss, und weckt das Vertrauen, dass auch jenseits des Lebens und unseres Verstehens die Geschichte Gottes mit dem Menschen weitergeht.

Andererseits ist darauf hinzuweisen, dass die reformatorischen Kirchen diese Lehre und Vorstellung von einer Läuterung nach dem Tod ablehnen.
Luther tat dies, weil die Vergebung der Sünden nach dem biblischen Zeugnis vollständig ist und keiner Nachbesserung bedarf; Calvin, weil er sehr stark die Vorherbestimmung des Menschen zur Seligkeit oder Verdammung betonte (Prädestination).

Auch lässt sich eine biblische Begründung wohl kaum nachweisen. Die Praxis des Glaubens an ein Fegfeuer leistet nach evangelischer Auffassung zudem einem quantitativen und kleinlichen Verständnis von Gnade und Vergebung Vorschub, wenn sie durch das Beten etwa einiger "Vater unser" stellvertretend zu erwerben und dann dem Verstorbenen so zuzuwenden sind, dass sich sein Strafmaß im Fegefeuer verringert.


Meine Vergangenheit kümmert mich nicht mehr.
Sie gehört dem göttlichen Erbarmen.
Meine Zukunft kümmert mich noch nicht.
Sie gehört der göttlichen Vorsehung.
Was mich kümmert, und was mich fordert,
ist das Heute,
das gehört der Gnade Gottes
und der Hingabe meines Herzens, meines guten Willens.

Franz von Sales, 1567-1622
Bischof, Kirchenlehrer


ökumenische Sicht

Das Fegefeuer im ökumenischen Verständnis

Dialogdokument "Communio Sanctorum - Die Kirche als Gemeinschaft der Heiligen"

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Im September 2000 wurde unter dem Titel "Communio Sanctorum - Die Kirche als Gemeinschaft der Heiligen" das Ergebnis einer gemeinsamen Arbeitsgruppe zwischen Deutscher Bischofskonferenz und Kirchenleitung der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands veröffentlicht.
Dort heißt es zum Fegefeuer:

(224) In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob diese Aufnahme in die Barmherzigkeit Gottes als Vorgang einer Läuterung der Verstorbenen zu verstehen ist. Die katholische Lehre spricht hier vom „Purgatorium“ (Läuterung, Fegefeuer). Diese Vorstellung besagt im Kern, dass die Verstorbenen vor dem Angesicht Gottes ihrer Sündhaftigkeit in letzter Tiefe innewerden und ihre Lieblosigkeit angesichts der Liebe Gottes als brennenden Schmerz erfahren. Dadurch werden sie „wie durch Feuer“ (1 Kor 3,15) gereinigt durch die sie umfangende und heilende unendliche Liebe Gottes. Dabei kann nach katholischer Auffassung das Gebet der noch Lebenden fürbittend helfen.

(225) In der Frömmigkeitsgeschichte haben sich mit der Lehre vom „Purgatorium“ räumliche und zeitliche Vorstellungen verbunden. Missverständnisse und auch Missbräuche haben den eigentlichen Grundgedanken oft überlagert. Dazu hat auch die Ablasspraxis beigetragen. Das Konzil von Trient schärft den Bischöfen ein, nicht zuzulassen, dass diesbezüglich „Unsicheres bzw. was am Schein der Falschheit krankt, unters Volk gebracht und behandelt wird. Das aber, was zu einer gewissen Neugierde oder zum Aberglauben gehört oder nach schändlichem Gewinn schmeckt, sollen sie als Ärgernis und Anstoß für die Gläubigen verbieten.“

(226) Insbesondere an der mit der Vorstellung vom „Fegefeuer“ verbundenen damaligen kirchlichen Praxis hatte sich der Protest der Reformation entzündet. Der inzwischen erreichte Konsens im Verständnis der Rechtfertigungsbotschaft muss sich deshalb gerade auch hier bewähren.

(227) Gegen die Vorstellung eines zeitlichen Läuterungsprozesses nach dem Tod hat die evangelische Theologie immer auch geltend gemacht, dass der Pilgerstand (status viatoris) des Menschen mit seinem Tod definitiv endet. Das ist jedoch ebenso katholische Überzeugung. Unser Gebet für die Verstorbenen in der Gemeinschaft Christi bleibt dennoch sinnvoll, weil es vor Gott nicht an unsere Zeitvorstellungen gebunden ist.


Der Lohn für unseren Glauben wird sein,
dass wir schauen, was wir glauben.

Augustinus Aurelius, 354 - 430
Philosoph, Kirchenvater und Heiliger