Anschauung Gottes "von Angesicht zu Angesicht"
Zustand endgültiger und vollendeter Glückseligkeit


Papst Johannes Paul II. zum Thema "Himmel"

Ansprache bei der Generalaudienz am 21. Juli 1999

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Der Begriff "Himmel" taucht in der Bibel öfters auf. Zunächst ist damit ein Teil des Universums gemeint. Im übertragenen Sinn aber umschreibt dieses Wort die Wohnung Gottes. Dann wird es zum umfassenderen Bild für das Leben des Menschen in Gott.

Im Neuen Testament wird dieser Begriff weiter vertieft und in Zusammenhang mit der Menschwerdung und der Sendung Jesu Christi gebracht. Die Menschen erfahren das Vatersein Gottes durch die Liebe seines Sohnes, der gekreuzigt wurde und in den Himmel aufgefahren ist. Jetzt sitzt er dort zur Rechten des Vaters.

Durch die Einbeziehung in das österliche Geheimnis, gelangen auch wir Menschen nach unserem irdischen Dasein zur vollen Teilhabe an der Liebe des Vaters.

"Himmel" meint also eine lebendige und persönliche Beziehung zum dreifaltigen Gott. Dieser Begriff beschreibt die Begegnung mit dem Vater, die im auferstandenen Christus geschieht durch die Gemeinschaft des Heiligen Geistes. Dieses ist unser aller Ziel.


Himmel: Aussagen im Katechismus der katholischen Kirche (Vatikan) - 1992 -

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Der Katechismus der Katholischen Kirche ist eine „Darlegung des Glaubens der Kirche und der katholischen Lehre, wie sie von der Heiligen Schrift, der apostolischen Überlieferung und vom Lehramt der Kirche bezeugt oder erleuchtet wird“ (Papst Johannes Paul II. Apostolische Konstitution: Fidei depositum, Nr. 4).

Eine Kommission unter Vorsitz von Joseph Kardinal Ratzinger hat ihn von 1986 bis 1992 erarbeitet.

Er enthält folgende Aussagen zum Thema "Himmel":

Der Himmel (Kapitel 1023 - 1029):

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Der Himmel (Kapitel 1023 - 1029):

(1023) Die in der Gnade und Freundschaft Gottes sterben und völlig geläutert sind, leben für immer mit Christus. Sie sind für immer Gott ähnlich, denn sie sehen ihn, „wie er ist" (1 Joh 3,2), von Angesicht zu Angesicht [Vgl. 1 Kor 13,12; Offb 22,4].

„Wir definieren kraft Apostolischer Autorität, daß nach allgemeiner Anordnung Gottes die Seelen aller Heiligen ... und anderer Gläubigen, die nach der von ihnen empfangenen heiligen Taufe Christi verstorben sind, in denen es nichts zu reinigen gab, als sie dahinschieden, ... oder wenn es in ebendiesen damals etwas zu reinigen gab oder geben wird, wenn sie nach ihrem Tod gereinigt wurden, auch vor der Wiederannahme ihrer Leiber und dem allgemeinen Gericht nach dem Aufstieg unseres Erlösers und Herrn Jesus Christus in den Himmel, das Himmelreich und das himmlische Paradies mit Christus in der Gemeinschaft der heiligen Engel versammelt waren, sind und sein werden, und nach dem Leiden und Tod des Herrn Jesus Christus das göttliche Wesen in einer unmittelbaren Schau und auch von Angesicht zu Angesicht geschaut haben und schauen - ohne Vermittlung eines Geschöpfes" (Benedikt XII.: DS 1000) [Vgl. LG 49].

(1024) Dieses vollkommene Leben mit der allerheiligsten Dreifaltigkeit, diese Lebens- und Liebesgemeinschaft mit ihr, mit der Jungfrau Maria, den Engeln und allen Seligen wird „der Himmel" genannt. Der Himmel ist das letzte Ziel und die Erfüllung der tiefsten Sehnsüchte des Menschen, der Zustand höchsten, endgültigen Glücks.

(1025) Im Himmel leben heißt „mit Christus sein"[Vgl. Joh 14,3; Phil 1,23; 1 Thess 4,17]. Die Auserwählten leben „in ihm", behalten oder, besser gesagt, finden dabei jedoch ihre wahre Identität, ihren eigenen Namen [Vgl. Offb 2,17]:

„Leben heißt mit Christus sein; wo Christus ist, da ist somit das Leben, da das Reich" (Ambrosius, Luc. 10, 121).

(1026) Durch seinen Tod und seine Auferstehung hat uns Jesus Christus den Himmel „geöffnet". Das Leben der Seligen besteht im Vollbesitz der Früchte der Erlösung durch Christus. Dieser läßt jene, die an ihn geglaubt haben und seinem Willen treu geblieben sind, an seiner himmlischen Verherrlichung teilhaben. Der Himmel ist die selige Gemeinschaft all derer, die völlig in ihn eingegliedert sind.

(1027) Dieses Mysterium der seligen Gemeinschaft mit Gott und all denen, die in Christus sind, geht über jedes Verständnis und jede Vorstellung hinaus. Die Schrift spricht zu uns davon in Bildern, wie Leben, Licht, Frieden, festliches Hochzeitsmahl, Wein des Reiches, Haus des Vaters, himmlisches Jerusalem und Paradies: „Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist; das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben" (1 Kor 2,9).

(1028) Da Gott unendlich erhaben ist, kann er nur dann gesehen werden, wie er ist, wenn er selbst den Menschen sein Mysterium unmittelbar schauen läßt und ihn dazu befähigt. Diese Schau Gottes in seiner himmlischen Herrlichkeit wird von der Kirche „die beseligende Schau" [visio beatifica] genannt.

„Welcher Ruhm, welche Lust wird es sein, wenn du zugelassen wirst, um Gott zu schauen, wenn du der Ehre gewürdigt wirst, mit Christus, deinem Herrn und Gott, die Freude des ewigen Heils und Lichts zu genießen ...‚ mit den Gerechten und Freunden Gottes im Himmelreich dich der Wonne der verliehenen Unsterblichkeit zu freuen!" (Cyprian, ep. 58, 10,1).

(1029) In der Herrlichkeit des Himmels erfüllen die Seligen weiterhin mit Freude den Willen Gottes. Sie tun dies auch in bezug auf die anderen Menschen und die gesamte Schöpfung, indem sie mit Christus herrschen; mit ihm werden sie „herrschen in alle Ewigkeit" (Offb 22,5) [Vgl. Mt 25,21.23].


Im Himmel werden wir uns über drei Dinge wundern:
Erstens: Menschen zu treffen, die wir dort nicht erwartet haben.
Zweitens: Menschen nicht zu sehen, die wir dort erwartet hätten.
Und drittens: uns selbst dort zu treffen.

Voltaire, 1694 - 1778
franz. Philosoph, Schriftsteller



Himmel: Aussagen des Erwachsenen-Katechismus der Deutschen Bischofskonferenz

Der Katholische Erwachsenen-Katechismus erläutert in zwei Bänden das Glaubensbekenntnis der Kirche (Band 1, 1985) und das Leben aus dem Glauben (Band 2, 1995) aus der Sicht der römisch-katholischen Kirche.
Band 1, S.420 - 422, Aussagen zum Himmel

gott vater

In der Heiligen Schrift und in der kirchlichen Glaubensüberlieferung wird das ewige Leben in der Gemeinschaft mit Gott unter vielen Bildern beschrieben: als himmlisches Hochzeitsmahl, als Leben, Licht, Frieden.

Wenn dabei vom Himmel die Rede ist, dann schwingt dabei zwar das antike Weltbild mit, nach welchem der Himmel über der Erde und über dem Firmament ist. Doch das räumliche "Oben" ist in erster Linie als ein Bild für die Erfüllung des Menschen und für den Zustand vollendeter Glückseligkeit gemeint.

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Noch in unserer heutigen säkularisierten Sprache gebrauchen wir dieses Bild, wenn wir etwa sagen, man fühle sich wie im siebten Himmel, man genieße eine himmlische Ruhe u. a. Dieser Zustand endgültiger und vollendeter Glückseligkeit kann nach christlichem Glauben für den Menschen nur Gott sein und die Gemeinschaft mit ihm. Denn Gott allein genügt (Teresa von Avila). Der Himmel ist also die ewige Gemeinschaft des Menschen mit Gott.

Das Buch der Offenbarung des Johannes beschreibt die Seligkeit des Himmels im Anschluss an Aussagen aus dem Alten Testament in unübertrefflichen Bildern:

gott vater

Deshalb stehen sie (die Heiligen) vor dem Thron Gottes und dienen ihm bei Tag und Nacht in seinem Tempel; und der, der auf dem Thron sitzt, wird sein Zelt über ihnen aufschlagen. Sie werden keinen Hunger und keinen Durst mehr leiden, und weder Sonnenglut noch irgendeine sengende Hitze wird auf ihnen lasten. Denn das Lamm in der Mitte vor dem Thron wird sie weiden und zu den Quellen führen, aus denen das Wasser des Lebens strömt, und Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen." (Offb 7,15-17)

Nach anderen Aussagen der Heiligen Schrift besteht die Seligkeit des Himmels in der Anschauung Gottes "von Angesicht zu Angesicht"(1 Kor 13,12).
"Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast." (Joh 17,3)
"Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist." (1 Joh 3,2)

Auch die Lehre der Kirche spricht von der Anschauung Gottes (vgl. DS 857; 1000, 1305, NR 926; 901-902, LG 49). Sie bedeutet, dass uns Gott in gnadenhafter Weise die ganze Fülle seines Lebens und seiner Liebe offenbart, dass uns die ganze Tiefe seiner Wahrheit und das unergründliche Geheimnis seiner Wirklichkeit aufgeht als Grund, Ziel und Inhalt unseres eigenen Seins und damit als unsere endgültige Sinnerfüllung, unser vollendetes Glück und unsere ewige Seligkeit.

Die Anschauung Gottes darf also nicht rein intellektuell verstanden werden, sie schließt Liebe, Friede und Freude ein. Sie ist Teilnahme an Gottes eigener Seligkeit und die Vollendung unseres jetzigen gnadenhaften Seins in Jesus Christus und im Heiligen Geist. Sie ist vollendete Teilnahme am dreifaltigen Leben Gottes.
In der christlichen Theologie ist der Himmel letzten Endes kein Raum, in dem bestimmte Vorgänge und Handlungen zu erwarten sind, sondern vielmehr die personale Begegnung mit Gott.

Doch so wie Gott dem Menschen ein unergründliches Geheimnis ist, so auch die Gemeinschaft mit ihm. Wir können uns weder eine bildliche Vorstellung machen noch begrifflich exakt fassen, "was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben" (1 Kor 2,9).

Die endgültige Gemeinschaft mit Gott bedeutet keine Isolierung, sondern begründet auch die vollendete "Gemeinschaft der Heiligen". So gehört zur Seligkeit des Himmels auch die Gemeinschaft mit Jesus Christus, mit den Engeln und Heiligen, die Gemeinschaft mit Angehörigen und Freunden aus der Zeit des Erdenlebens, die Freude über die Schönheit der Werke Gottes in der Schöpfung und in der Geschichte, über den Sieg der Wahrheit und der Liebe im eigenen Leben wie im Leben der andern.

Weil der Himmel die Erfüllung und Krönung des Lebens ist, geht auch die getane und erlittene Frucht unseres irdischen Lebens in die Verklärung des ewigen Lebens ein. Die Freude des Himmels ist deshalb auchFreude über den empfangenen Lohn (vgl. Mt 5,12). Dabei krönt Gott in der Krönung unserer Verdienste das Werk seiner eigenen Gnade.

Jeder wird den ihm gemäßen Lohn empfangen (vgl. Mt 16,27; 1 Kor 3,8). Aus diesem Grund kann von unterschiedlichen Graden der himmlischen Seligkeit die Rede sein. Doch so wie kleine Gefäße auf ihre Weise genau so voll sind wie größere Gefäße, obwohl diese mehr enthalten, wird im Himmel jeder auf seine Weise ganz erfüllt und ganz im Frieden sein. Die eine Liebe Gottes wird durch den einen Heiligen Geist alle im einen Leib Jesu Christi verbinden in der gemeinsamen Verherrlichung Gottes und seiner Werke.


Christus kam nicht,
um die Welt
in einen Himmel zu verwandeln,
sondern um den Himmel
auf die Erde zu bringen.

John Henry Kardinal Newman
1801-1890
engl. Kardinal, Dozent und Professor


Der Himmel in den Weltreligionen

In allen christlichen Religionen gilt der Glaube, dass die Seelen der Gerechten, die frei von Sünde sind, seit der Wiederauferstehung Christi unmittelbar nach dem Tod in den Himmel gelangen. Ihre Hauptfreude besteht hier in einer Ansicht des Herrn, der beseligenden Gottesschau. Ihre Wonne währt ewig, doch bei der allgemeinen Wiederauferstehung werden ihre Seelen mit den vervollkommneten oder verherrlichten Körpern wiedervereint.

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In der christlichen Theologie ist der Himmel letzten Endes ebenso wie andere eschatologische Bilder des Christentums (Hölle, Gericht, Fegefeuer) kein Raum, in dem bestimmte Vorgänge und Handlungen zu erwarten sind, sondern vielmehr die personale Begegnung mit Gott.

Der Islam übernimmt im Koran die Vorstellung von den sieben Himmeln am Firmament, die sich nach ihrer Herrlichkeit vom siebten Paradies, dem Aufenthaltsort des Allerhöchsten, bis hinunter zum ersten, dem erdenähnlichsten, unterscheiden. Der Koran stellt die Seligkeit des Himmels als den uneingeschränkten und unerschöpflichen Genuss sinnlicher Freuden dar. Zahlreiche islamische Theologen halten diese Darstellung jedoch für allegorisch.

Nirvana, der Himmel des Buddhismus, ist ein Zustand, in dem jegliche Begierden ausgelöscht sind und die Einheit mit dem Kosmos durch die Vervollkommnung der Seele im Laufe der aufeinander folgenden Seelenwanderungen erreicht wird. Der Mahayana-Buddhismus entwickelte ebenfalls die Überlieferung eines "Reinen Landes", eines vorübergehenden Paradieses im fernen Westen, in dem glückliche Seelen vor ihrem endgültigen Übergang ins Nirvana wiedergeboren

Quelle: http://lesen.tsn.at/vs-stans/index.php?nav=7&snav=1&plan_io=7&noSearch=2&archiv=all&login=1&lp=233&con_id=23822


Das Himmelreich will nicht nur ersehnt,
es will auch erworben werden.

Peter Rosegger, 1843 - 1918
österr. Schriftsteller