Maria: Vorbild im Glauben - Beispiel menschlicher Demut und Reinheit
Schutzpatronin aller Christen - Fürsprecherin und Mittlerin


Allgemein

Grundlegende Mariendogmen

Maria genießt in der katholischen und in der orthodoxen Kirche höchste Verehrung.

Für die katholische Kirche bestimmen vier Dogmen (verbindliche Glaubenslehren) ihre Stellung in der Theologie:

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  • Maria ist als Gottesgebärerin die Mutter Gottes
    (431/Ephesus)
    Da Gott der Vater und Christus nach der Lehrdefinition des Konzils von Nicäa (mit den ersten Lehrentscheidungen der christlichen Gesamtkirche - 325 ) "eines Wesens" sind, wurde 431 auf dem Konzil von Ephesos die Gottesmutterschaft Mariens zum Dogma erklärt.
  • Maria ist trotz der Geburt immer Jungfrau geblieben
    (spätestens seit dem 4. Jahrhundert in mehreren Etappen lehramtlich festgehalten)
    553, auf dem zweiten Konzil von Konstantinopel, wurde als Dogma definiert, dass Maria vor, während und nach der Geburt Jesu Christi immer jungfräulich blieb.
  • Maria ist unbefleckt empfangen (d.h. sie ist vom ersten Augenblick ihres Daseins an heilig und ohne Erbsünde)
    (1854/Vatikan)
    Dieses Dogma wurde 1854 von Papst Pius IX. verkündet und besagt, dass Maria vor und dann natürlich auch nach ihrer Geburt frei von der Erbsünde ist.
  • Maria ist als ganzer Mensch mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen worden
    Dieses Dogma (verbindliche Glaubenslehre) wurde erst am 1.11.1950 von Papst Pius XII. verkündet.

 

Beginn der Marienverehrung

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Vor allem die Erklärung des Konzils von Ephesus im Jahre 431 (drittes ökumenisches (allgemeines) Konzil), dass Maria die Gottesgebärerin, also die leibliche Mutter Gottes sei, und die Ansicht über ihre immerwährende Jungfräulichkeit führten zu einer gesteigerten Marienverehrung.

Zunächst wurde Maria vor allem in den Klöstern (Zisterzienser) des hohen Mittelalters besonders verehrt. Im Volk verbreitete sich eine verstärkte Verehrung Mariens erst im 14. und 15. Jahrhundert. Volkstümliche Formen marianischer Frömmigkeit kamen in Gebeten (Ave Maria, Rosenkranz) und Wallfahrten zum Ausdruck.

Zu Ehren Mariens wurden Kirchen geweiht und Feste (besonders Verkündigung, Geburt, Reinigung, Tod und Aufnahme in den Himmel) gefeiert.

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Die Anfänge des Rosenkranzbetens (15 Betrachtungsverse aus dem Leben Jesu oder Mariens und 150 Ave Marias) finden sich bei den Trierer Kartäusern Adolf von Essen (gest. 1427) und Dominikus von Preußen (gest. 1427).

Zur Erinnerung an den Sieg der Heiligen Liga in der Seeschlacht von Lepanto am 7.10.1571 über die Türken, führte Papst Pius V. das Fest "Unserer Lieben Frau vom Sieg" (am 7.10.) ein und nahm die Anrufung "Maria, Hilfe der Christen" in die Lauretanische Litanei auf. Seit Gregor XIII. (1572-1585) feiert die katholische Kirche dieses Fest als Rosenkranzfest.

Zu den wichtigsten europäischen Marienwallfahrtsorten zählen Lourdes, Fatima, Tschenstochau (Jasna Góra) und La Salette;
in Bayern ist es Altötting.

 


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einen Mittag voller Taten,
einen Abend der Erfüllung und
eine ruhige Nacht voller Dank.

Irischer Segenswunsch



Marienverehrung - keine Erfindung der Kirche

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Marienverehrung beruht auf dem eindeutigen Zeugnis der Hl. Schrift.
"Siehe von nun an preisen mich selig alle Geschlechter" (Lk 1, 48). Dieser Satz ist die biblische Grundlegung der Marienverehrung. Maria kündet es selbst an, dass alle künftigen Generationen der Glaubenden sie seligpreisen werden für das Große, das Gott an ihr getan hat.

"Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?" (Lk 1,42,43). Elisabeths Lobpreis ging ein in das bekannteste Mariengebet, ins "Ave Maria", wo wir beten: "Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus". Mit den Worten "die Mutter meines Herrn" wird klar die Rolle Marias im Heilswerk benannt: Sie ist die Mutter des Herrn, die Mutter Gottes.

Der Gottesmuttertitel ist das marianische Grunddogma. Zu diesem Glaubensgeheimnis bekennen sich übrigens alle Konfessionen der christlichen Ökumene, alle, die sich auf das Große Glaubensbekenntnis der Kirche (das sog. Nizäno-Konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis) gründen.

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Wie alle Glaubenswahrheiten übersteigt auch dieses Geheimnis unser menschliches Begreifen: Dass der große Gott, der Herr des Himmels und der Erde, eine dramatische "Karriere nach unten" antrat und Kind wurde im Leib Mariens, ist ein rational unauslotbares, nur im Glauben annehmbares Geschehen.

Zu dieser Selbstentäußerung Gottes gehört auch die Tatsache, dass er sein Erlösungswerk vom Ja eines Menschen, genauer gesagt: einer Frau abhängig machte. - Maria sollte die Frau sein, die Gott zur Welt brachte, die der Welt den Erlöser schenkte. Wirklich: etwas Großes, zu dem Maria ausersehen war und Grund genug, sie seligzupreisen.

Und wie Maria es prophezeite, haben das auch alle Geschlechter der Christenheit auf ihre Weise getan. So ist die Geschichte der christlichen Kunst, besonders der Malerei gar nicht zu denken ohne die marianisch inspirierten Werke. "Ich sehe dich in tausend Bildern, Maria, lieblich ausgedrückt; doch keins von allen kann dich schildern, wie meine Seele dich erblickt", bekennt Novalis, und bei Theodor Fontane lesen wir: "Wo die Madonna weilt, da weilt die Schönheit und die Freude".

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Es mag erstaunen, dass selbst Martin Luther in seinen Anfangsjahren der Gottesmutter durchaus zugetan war (aber auch noch in den letzten Wochen seines Lebens, im Jahr 1546, hat er eine Predigt zu Maria gehalten). So nennt er Maria in seiner Auslegung des "Magnificat" "das allervornehmste Beispiel der Gnade Gottes" und fordert: "Anrufen soll man Maria, dass Gott durch ihren Willen gebe und tue, was wir bitten". Nicht nur von der Verehrung Marias ist hier die Rede, sondern auch vom Gebet zu ihr.

Ganz im Einklang mit der theologischen Tradition geht Luther davon aus, dass Maria nicht nur eine verehrungswürdige Gestalt der Vergangenheit ist, sondern dass sie als Gottesmutter in Ewigkeit eine einzigartige Rolle bei Gott spielt. Maria, die auf Erden so innig und leibhaftig verbunden mit Christus war wie kein anderer Mensch, bleibt ihm auch im Himmel in unvergleichlicher Weise verbunden. Der Welt den Erlöser bringen - das war nicht nur eine vorübergehende Funktion Marias. Nein, der Welt, den Menschen den Erlöser Jesus Christus nahebringen: das ist der bleibende Personalcharakter Marias, ihre ewige Bestimmung.

Und das ist nicht nur etwas, was die Kirche lehrt, sondern eine Glaubenserfahrung von unzähligen Christen zu allen Zeiten und an allen Orten. "Maria hat geholfen" wie oft kann man diesen Satz auf Votivtafeln an marianischen Gnadenorten lesen, an den großen wie Altötting, Tschenstochau, Lourdes, Guadalupe - aber auch an unzähligen anderen, wie z. B. an Maria Brünnlein, Wemding, in unserer Region. Die Menschen vertrauen sich der mütterlichen Fürsorge Mariens an, wie sie exemplarisch im Evangelium von der Hochzeit zu Kana (Joh 2, 1-12) dargestellt ist.

Pieta - St. Salvator

Eine andere Stelle aus dem Johannesevangelium ist in diesem Zusammenhang ebenfalls von Bedeutung, das Vermächtniswort des Herrn am Kreuz: "... Frau, siehe, dein Sohn! ... Siehe, deine Mutter! (Joh 19,26 f.) Gemäß der schon bei den Kirchenvätern vertretenen Auslegung gibt Jesus hier in der Person des Lieblingsjüngers der ganzen Jüngergemeinde Maria zur Mutter. Von hier aus erklärt sich der Titel "Mutter der Kirche" , den das 2. Vatikanische Konzil Maria verlieh.

Marienverehrung hat auch nichts zu tun mit einer unangemessenen Vergöttlichung Marias, wie manchmal geargwöhnt wird. Immer schon hat die Kirche klar unterschieden zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf. Anbetung gebührt allein Gott, dem Dreifaltigen. Den Heiligen und besonders Maria gebührt Verehrung, d.h. Lobpreis und Bitte um Fürsprache bei Gott.

Wir brauchen auch nicht zu befürchten, dass wir Gott etwas wegnehmen würden, wenn wir zu Maria eine Gebetsbeziehung haben. Im Gegenteil: Gott ist es ja, der Großes an Maria getan hat und sie in einzigartiger Weise in das Erlösungsgeschehen einbezogen hat. So preisen wir nichts anderes als den Ratschluss und die Gnade Gottes, wenn wir Maria verehren. Im übrigen freut sich, wie einmal der hl. Bernhard von Clairvaux sehr einleuchtend sagt, jeder Sohn mehr, wenn seine Mutter geachtet und geehrt wird, als wenn sie von den Menschen übergangen und übersehen wird. So dürfen wir es auch von Marias göttlichem Sohn, Jesus Christus annehmen.

Marienverehrung und Christusverehrung stehen also nicht gegeneinander, sondern wachsen miteinander. Dies zeigt sich übrigens deutlich an den marianischen Wallfahrtsorten: Die Intensität, mit der die Gläubigen dort an der Feier der Hl. Messe teilnehmen, die Sakramente empfangen, auf Gottes Wort hören, hebt diese Orte von der sonst so verbreiteten Lauheit und Glaubensmüdigkeit ab.

Der Welt, den Menschen Christus nahebringen: das war und ist die Bestimmung der Gottesmutter.
Gewiss, es gibt verschiedene Wege zu Christus. Man muss nicht über Maria gehen, aber man darf!

Quelle: Pfarrer Dr. Johannes Holdt, Schömberg


Marienverehrung im Verständnis der evangelischen Kirche

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Die Reformation verwarf die kultische Verehrung Marias. Sie war mit den reformatorischen Grundprinzipien - solus Christus, sola fides (gratia) und sola scriptura - (allein Christus - allein die Gnade - allein die Schrift) nicht zu vereinbaren. Vor allem Martin Luther reduzierte die Marienverehrung auf das biblische Fundament.

Luther lehnte es strikt ab, Maria als Fürsprecherin oder als Mittlerin anzurufen: durch den Opfertod Christi sei uns vollkommene Gnade zuteil geworden, Christen brauchen keinerlei Fürsprache und Vermittlung. Seiner Meinung nach könne man Maria loben, ehren und lieben, soviel man wolle, aber mit der Vermittlung des Heils habe sie nichts zu tun.
So hielt er auch Marienpredigten und schätzte in seinen Auslegungen (etwa des Magnificats anno 1521) Maria als ein Vorbild im Glauben und als Beispiel menschlicher Demut und Reinheit.

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Weiterhin nennt er Maria in seiner Auslegung des "Magnificat" "das allervornehmste Beispiel der Gnade Gottes" und fordert: "Anrufen soll man Maria, dass Gott durch ihren Willen gebe und tue, was wir bitten". Nicht nur von der Verehrung Marias ist hier die Rede, sondern auch vom Gebet zu ihr.

Erst nach und nach verblassten das Gedächtnis und die Verehrung der Mutter Jesu im protestantischen Bereich und Maria verlor zunehmend ihre herausgehobene Stellung.

Als die römisch-katholische Kirche 1854 den Glauben an die Zeugung Marias ohne Erbsünde ("Unbefleckte Empfängnis ") und 1950 an die leibliche Aufnahme Marias in den Himmel zum Dogma erklärte, vertiefte das den Gegensatz zwischen evangelischer und katholischer Kirche.

Aber viele katholische Theologen bemühen sich, diese Dogmen dahingehend zu erklären, dass sie die Bedeutung Jesu für den Glauben nicht schmälern, sondern verstärken sollen. Nicht nur katholische Christen sehen heute in Maria ein Symbol für die Grundhaltung des Glaubens und damit für die Kirche.

Marienfeste, besondere Gebete ("Gegrüßet seist du, Maria . . .") und Wallfahrten zu Orten, an denen es Marienerscheinungen oder von Maria bewirkte Wunder gegeben haben soll - und nicht zuletzt die zahlreichen künstlerischen und populären Darstellungen Marias als Statue und auf Bildern sind vielen Menschen eine anschauliche Ausgestaltung und Bekräftigung des christlichen Glaubens.


Wer gesammelt in der Tiefe lebt,
der sieht auch die kleinen Dinge
in großen Zusammenhängen.

Edith Stein (1891-1942)
Philosophin, Ordensschwester,
Ermordung im KZ, heilig gesprochen


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