Ehe: Treue in guten und in schlechten Tagen
Ehe: lebenslange Bindung - nicht auf Zeit und nicht auf Probe


Allgemein

Durch den Ehebund begründen Mann und Frau die Gemeinschaft für das ganze Leben. Dies wurde von Christus zur Würde eines Sakramentes erhoben.


Ehevorbereitung

Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Entscheidung!
Zu heiraten und – erst recht – die Ehe auch kirchlich zu schließen, ist nicht mehr selbstverständlich. Das Paar, das um die kirchliche Trauung bittet, entscheidet sich heute eher bewusst dafür. Für die meisten Katholikinnen und Katholiken ist die kirchliche Trauung der eigentliche Ort der Eheschließung.

1. Kontaktaufnahme mit dem Pfarrer

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Um Ärger und Enttäuschung zu vermeiden, empfehlen wir eine frühzeitige Kontaktaufnahme mit Ihrem Pfarrer:
Nehmen Sie mindestens ein halbes Jahr vorher Kontakt auf und klären Sie mit ihm:

  • Trautermin
  • Traupriester
  • Trauungsgottesdienst
  • Trauungsort sowie die
  • Termine für Ehevorbereitungsseminar und Traugespräch

Dabei können Sie weitere Fragen und Anliegen ansprechen, z.B. wenn Ihre Partnerin / Ihr Partner nicht der katholischen Kirche angehört.

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Nicht vergessen: Einer der Partner muss Kirchenmitglied sein.

Zuständig ist das Pfarramt des Wohnortes der Braut bzw. des katholischen Ehepartners.

 

Wenn Sie in unserer Pfarreiengemeinschaft kirchlich heiraten wollen, dann wenden Sie sich bitte

  • an das Pfarrbüro St. Salvator

  Telefon: 09081 / 29 37 - 0
  Fax: 09081 / 29 37 - 15

  E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

  • oder an das Pfarrbüro St. Josef

  Telefon: 09081 / 80 50 64 - 0
  Fax: 09081 / 80 50 64 - 15

  E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

2. Das kirchliche Aufgebot

Für Ihr kirchliches Aufgebot und zum Vorbereitungsgespräch im Pfarramt müssen Ihre Taufscheine vorliegen, die nicht älter als sechs Monate sein dürfen. Sie werden von Ihren jeweiligen Taufpfarrämtern ausgestellt. Geben Sie bei der Beantragung an: "zum Zweck der Eheschließung".

3. Das Traugespräch

Auch wenn es zum Traugespräch gehört, dass vom Brautpaar die Trauzeugen/innen benannnt werden und das Protokoll zur Eheschließung ausgefüllt und unterschrieben wird, dürfen diese Dinge doch nicht im Vordergrund stehen.

Beim Traugespräch werden seelsorgliche Fragen,gegebenenfalls auch der Trauspruch, unter den Sie Ihr gemeinsames Leben stellen wollen und die konkrete Gestaltung der Hochzeitsfeier angesprochen:

  • Eucharistie oder Wortgottesfeier
  • Auswahl der biblischen Texte und Gebete
  • Trauritus, Symbole (Eheringe, Hochzeitskerze, ...)
  • Empfang des Bußsakramentes
  • Musikalische Gestaltung
  • Blumenschmuck
  • Fotografieren / Filmen in der Kirche
  • etc.

Weitere Wegbegleitung nach der Trauung: Uns ist es ein wichtiges Anliegen, mit Ihnen auch nach der Hochzeit in Kontakt zu bleiben.

Siehe dazu: "Auf dem Weg zum Sakrament der Ehe", Veröffentlichung der deut. Bischofskonferenz, Nr. 67, Bonn, 2000

 

4. Persönliche Ehevorbereitung

Zu Ihrer ganz persönlichen Vorbereitung besuchen Sie ein Ehevorbereitungsseminar. Dieses wird in unterschiedlicher Form und Dauer in Ihrer Pfarrgemeinde oder in Ihrer Umgebung angeboten.

Eine weitere Möglichkeit ist ein Kommunikationstraining für Paare (EPL - ein partnerschaftliches Lernprogramm)

Das Ehevorbereitungsseminar gehört wie das Traugespräch zum festen Bestandteil auf dem Weg zur kirchlichen Trauung.


Die kirchliche Trauung - Ablauf

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Die katholische Trauung segnet nicht nur den Ehebund, sie begründet ihn vielmehr!

Die kirchliche Trauung ist eine eindeutig religiöse Feier. Allen Beteiligten soll eine innere Anteilnahme an der Liturgie möglich sein.
Die Trauungsliturgie ist in den Grundabläufen vorgegeben; viele Elemente können jedoch vom Brautpaar in Absprache mit dem Priester gestaltet werden.
Im Regelfall ist die kirchliche Trauung in eine feierliche Eucharistiefeier eingebettet.

Nach dem Evangelium und der Predigt folgt dann die Trauung.

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Die eigentliche Trauung, die meist in die Eucharistiefeier eingebettet ist, hat folgenden Ablauf:

  • Befragung nach der Bereitschaft zur christlichen Ehe
  • Segnung der Eheringe
  • evtl. Segnung der Brautkerze
  • Vermählung

    Die Brautleute können für die Erklärung des Ehewillens zwischen folgenden zwei Formen wählen.

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    Beide Formen sind mit dem gegenseitigen Anstecken der Eheringe verbunden.

    - Vermählung durch den Vermählungsspruch und das gegenseitige Anstecken der Ringe:
    Es beginnt der Bräutigam, dann folgt die Braut.
    Brautleute:"N., vor Gottes Angesicht nehme ich dich an als meine(n) Frau (Mann).
    Ich verspreche dir Treue in guten und bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit,
    bis der Tod uns scheidet. Ich will dich achten, lieben und ehren alle Tage meines Lebens."

    - Vermählung durch das Ja-Wort und gegenseitiges Anstecken der Ringe:
    Priester: "N., ich frage Sie vor Gottes Angesicht: Nehmen Sie Ihre(n) Braut (Bräutigam) an als
    Ihre(n) Frau (Mann) und versprechen Sie Treue zu halten in guten und bösen Tagen,
    in Gesundheit und Krankheit, und sie (ihn) zu lieben, zu achten und zu ehren, bis der Tod Sie scheidet?"
    Brautleute: "Ja"

  • Bestätigung der Vermählung

    (Die Brautleute reichen sich die rechte Hand, der Priester legt die Stola darüber
    und benennt die Trauzeugen als Zeugen des Bundes):
    "Im Namen der Kirche bestätige ich den Ehebund, den Sie geschlossen haben."
    "Sie aber N. und N. nehme ich als Zeugen dieses heiligen Bundes".

  • Feierlicher Trauungssegen
  • Fürbitten für die Brautleute

Der Gottesdienst wird fortgesetzt mit der Gabenbereitung.

 

Zur kirchlichen Trauung bringen Sie bitte mit:

  • Familienstammbuch (mit Bescheinigung Ihrer standesamtlichen Trauung)
  • Eheringe
  • Hochzeitskerze

Alles Glück der Ehe besteht im gegenseitigen Vertrauen und Entgegenkommen.
Die törichte Liebe vergeht bald,
aber man muss einander achten und dienen.

Maria Theresia, (1717 - 1780),
österreichische Kaiserin


Was heute gilt

Theologische und praktische Hinweise für katholische Christinnen und Christen

Was heute gilt:

Die Ehe musste bis zum 31.12.2008 nach deutschem staatlichen Recht immer vor dem Standesamt geschlossen werden. Eine Bescheinigung über die standesamtliche Eheschließung war vor der kirchlichen Trauung vorzulegen. Nur dann durfte ein Paar in Deutschland kirchlich getraut werden.

Ab dem 01. Januar 2009 darf sich ein Paar auch dann kirchlich trauen lassen, wenn es zuvor nicht standesamtlich geheiratet hat. Möglich macht dies eine Änderung im Personenstandsgesetz. Die alleinige kirchliche Trauung ist dann für eine staatlich wirksame Eheschließung ausreichend. Allerdings sind mit dem Verzicht auf die standesamtliche Heirat erhebliche Konsequenzen verbunden. Für Paare, die sich nur kirchlich, aber nicht standesamtlich trauen lassen, gibt es zum Beispiel keinen Unterhalt, kein Erbrecht, keinen Steuerfreibetrag, keine Schutzvorschriften für den Schwächeren beim Scheitern der Ehe und auch keinen Zugewinnausgleich.

Insofern bleibt das ursprüngliche Verfahren wohl die Regel.

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Aber, die rein kirchliche Trauung ohne Standesamt hat auch Vorteile. Wer zum Beispiel aus einer früheren Ehe bereits eine Witwenrente, Witwerrente oder Erziehungsrente erhält, kann nach deutschem Recht kirchlich heiraten, ohne dass diese Rente wegfällt.

Die katholische Kirche hat aufgrund der veränderten Gesetzeslage ihre Traupraxis neu geregelt:
Vom 1. Januar 2009 an sind in Deutschland kirchliche Trauungen bei fehlender standesamtlicher Eheschließung möglich. Das Verbot der kirchlichen Trauung ohne vorhergehende standesamtliche Eheschließung entfällt nach der Novellierung des Personenstandgesetzes.

Für evangelische Christen wird sich hingegen nichts ändern: Schon bei der Urteilsverkündung hatte die Evangelische Kirche in Deutschland durchblicken lassen, substantiell nichts an der Traupraxis ändern zu wollen und die kirchliche Eheschließung weiter von der standesamtlichen abhängig zu machen.

Nach evangelischer Auffassung wird die Ehe auf dem Standesamt geschlossen. Die Eheleute kommen nach evangelischer Auffassung als verheiratetes Ehepaar in die Kirche. Es soll das Eheversprechen nochmals vor dem Angesicht Gottes gegeben werden.
Nach katholischem Verständnis genügt die standesamtliche Trauung nicht zur Gültigkeit, es sei denn, die Befreiung von der "Formpflicht" ist eingeholt worden.

Beiden Kirchen ist es sehr wichtig, dass am Anfang einer christlichen Ehe eine kirchliche Trauung steht.
Die Trauung erfolgt in der Regel nach der Ordnung der Kirche, in der nach der Entscheidung des Paares die kirchliche Trauung stattfindet.

Wenn Sie sich aus ernsthaften Gründen nicht für eine Trauung nach katholischem Ritus entscheiden können, ist für Sie als katholischer Partner die Befreiung ("Dispens") von der katholischen Eheschließungsform ("Formpflicht") möglich. Nach erteilter Dispens kann die Ehe auch in der evangelischen Kirche (mit oder ohne Beteiligung eines katholischen Geistlichen) geschlossen werden.

Demnach sind folgende Formen einer katholischen oder katholisch akzeptierten Trauung möglich:

  • 1. katholische Trauung
  • 2. Trauung nach katholischem Ritus unter Beteiligung einer evangelischen Pfarrerin / eines evangelischen Pfarrers

Nach Befreiung von der "Formpflicht":

  • 3. evangelische Trauung
  • 4. Trauung nach evangelischem Ritus unter Beteiligung eines katholischen Geistlichen
  • 5. standesamtliche Trauung

    Möglich ist sogar, dass eine "Dispens von der Formpflicht" beantragt und gewährt wird für die Ehewillenserklärung auf dem Standesamt, falls irgendwelche schwerwiegenden Gründe vorliegen. (z. B. Eheschließung eines Katholiken mit einem Ungetauften oder mit einem Andersgläubigen (Muslim,...))

Im Traugespräch legt der katholische Geistliche der katholischen Partnerin / dem katholischen Partner die Frage vor: "Wollen Sie in Ihrer Ehe als katholischer Christ leben und den Glauben bezeugen?"

Die evangelische Kirche erwartet ebenso, dass die evangelische Partnerin / der evangelische Partner in der Ehe den evangelischen Glauben bezeugt und lebt. Deshalb soll in der konfessionsverschiedenen Ehe unbedingt für den Glauben beider Partner Raum sein.

Als katholischer Partner sind Sie verpflichtet, alles Ihnen Mögliche zu tun, um Ihren Kindern den katholischen Glauben zu vermitteln.

Die evangelische Kirche erwartet dies auch vom evangelischen Partner. Da aber die Erziehung der Kinder immer Sache beider Elternteile ist und keiner der Partner zu einem Handeln gegen sein Gewissen veranlasst werden darf, besteht diese Verpflichtung für den katholischen Partner darin, das in der konkreten Situation nach bestem Wissen und Gewissen Mögliche zu tun.

Fragen, die sich in diesem Zusammenhang ergeben, sollten beim Traugespräch mit den jeweiligen Seelsorgern besprochen werden. Wichtig ist, dass Sie beide auch nach der Trauung mit Ihren Seelsorgern in Kontakt bleiben und somit weiter Beheimatung in Ihrer Kirche finden.

Literatur: Konfessionsverschiedene Ehe, erzbischöfl. Ordinariat München, Seelsorgereferat

konfessionsverschieden

Konfessionsverschiedene Ehe

familienaltar-deini

Wenn einer der Partner der evangelischen und einer der katholischen Konfession angehört und beide eine sog. "Ökumenische Trauung" wünschen, erfolgt die Anmeldung auf beiden Pfarrämtern.

"Ökumenische Trauungen" gibt es eigentlich nicht. Was damit gemeint ist: die Eheschließung von konfessionsverschiedenen Partnern unter Mitwirkung von Geistlichen beider Konfessionen.
Für die "Gemeinsame Trauung", bei der wegen der Bindung der Brautleute zu der eigenen Kirche die Geistlichen beider Konfessionen mitwirken, gilt die Regel, dass der katholische Geistliche die Trauung vornimmt, wenn sie in der katholischen Kirche stattfindet, der evangelische Geistliche, wenn sie in der evangelischen Kirche erfolgt. Für den letzteren Fall ist die bischöfliche Erlaubnis notwendig.

Für die evangelische Kirche ist die standesamtliche Trauung gleichzeitig auch der "Ehebeginn vor Gott und der Kirche." Sie segnet den bereits geschlossenen Ehebund.

Die katholische Kirche ihrerseits sieht den Ehebeginn "vor Gott und den Menschen" erst im kirchlichen Eheschluss. Erst dieser begründet die Ehe vor Gott.

In verschiedenen christlichen Kirchen zu Hause zu sein, kann für Ehepartner, die ihren Glauben bewusst leben, ein Problem aber auch eine Chance sein.

Die Schwierigkeiten zeigen sich meistens in der Frage der Kindererziehung und des Gottesdienstbesuches.

Für den katholischen Partner ist es ein zentrales Anliegen, die Kinder katholisch taufen zu lassen und zu erziehen, soweit es in der Ehe möglich ist. Da aber die Erziehung der Kinder Sache beider Eltern ist und keiner der Ehepartner zu einem Handeln gegen sein Gewissen veranlasst werden darf, besteht diese Verpflichtung darin, das in der konkreten Situation nach bestem Wissen und Gewissen Mögliche zu tun.

Bezüglich des Gottesdienstbesuchs sollte der Grundsatz gelten: Jeder der beiden Partner soll gemäß seinem Gewissen in seinem Glauben verwurzelt und in seiner Kirche beheimatet bleiben. Dazu gehören der regelmäßige Gottesdienstbesuch in der eigenen Kirche und das liebevolle Verständnis dafür, daß der Ehepartner am sonntäglichen Gottesdienst seiner Kirche teilnehmen möchte. Bei passender Gelegenheit sollten bekenntnisverschiedene Paare die Gottesdienste ihrer Kirchen aber auch gemeinsam besuchen.

Nicht selten weichen jedoch konfessionsverschiedene Ehen wegen solcher Schwierigkeiten in eine vermeintliche Neutralität aus; sie klammern religiöse Fragestellungen aus, was dann zur Entfremdung beider Partner sowie ihrer Kinder von ihrer Kirche führt.

Quellen: Erwachsenenkatechismus, Bd.1, S. 395 ff - Norbert Glöckener, Kirchensite.de, Bistum Münster


Es ist viel mehr wert,
jederzeit die Achtung der Menschen zu haben,
als gelegentlich ihre Bewunderung.

Jean-Jacques Rousseau, 1712 - 1778
Schriftsteller


katholisch und geschieden

Geschieden - alle Rechte in der Kirche verloren?

10 Klarstellungen

1. Niemand ist wegen einer Scheidung - die oft der einzige Ausweg aus einer zerstörerischen Ehe ist - von den Sakramenten ausgeschlossen. Geschiedene dürfen zur hl. Kommunion gehen, Paten sein usw. Es gelten hier keinerlei kirchenrechtliche Einschränkungen.

2. Manche kommen zur Überzeugung, dass ihre Ehe - obwohl seinerzeit in der Kirche feierlich begonnen - aus bestimmten Gründen (z.B. psychische Unreife eines Partners zur Zeit der Eheschließung) nicht gültig ist. Wenn kirchliche Gerichte auf Grund von Beweisen die Ungültigkeit feststellen (Annullierung), sind die Betroffenen frei, wieder kirchlich zu heiraten.

3. Viele gehen nach der Scheidung eine neue, "nichtkirchliche" Partnerschaft (z.B. standesamtliche Ehe) ein. Für sie gelten normalerweise Einschränkungen beim Sakramentenempfang, sie gehören aber weiterhin zur Gemeinschaft der Kirche und sind eingeladen, die Gottesdienste mitzufeiern, sich am Leben ihrer Pfarren zu beteiligen, kirchliche Einrichtungen in Anspruch zu nehmen usw. Auch in der Frage des Patenamtes gilt: "Kein Rigorismus!" (Kardinal Ratzinger). Sie dürfen Trauzeugen sein und erhalten ein kirchliches Begräbnis.

4. Es ist der ausdrückliche Wunsch des Papstes und aller Bischöfe, dass die Seelsorger und Pfarrgemeinden den geschiedenen und wiederverheirateten Kirchenmitgliedern mit Verständnis und Respekt begegnen und ihnen menschlich und religiös beistehen.

5. Viele Geschiedene, die in einer "nichtkirchlichen" Gemeinschaft leben, verspüren kein Bedürfnis, die Sakramente zu empfangen. Es gibt aber auch solche, die den ernsten Wunsch haben, zur hl. Kommunion zu gehen. Ihnen kann empfohlen werden, im Gespräch mit einem Seelsorger zu klären, wie ein geeigneter Weg gefunden werden kann.

6. Scheidung ist nicht gleich Scheidung, und Wiederheirat ist nicht gleich Wiederheirat. Motive und Lebensumstände sind oft recht verschieden. In der Seelsorge soll jeder Mensch mit seiner individuellen Lebensgeschichte ernst genommen werden.

7. Das Schreiben der Glaubenskongregation in Rom vom 14. 9. 1994 zu diesem Thema macht auf wichtige Dinge aufmerksam: die eheliche Treue, die Würde der Eucharistie, den inneren Zusammenhang von Ehesakrament und Kommunion usw., es kann aber sicher nicht alle oft sehr komplizierten Einzelfälle regeln. Hier ist der erfahrene Seelsorger gefragt.

8. Die Sakramente sind nicht käuflich. Wer Kirchenbeitrag zahlt, leistet einen wichtigen Grundbeitrag für die Gemeinschaft der Kirche, er "erkauft" sich damit aber nicht das Recht auf bestimmte Sakramente. Deshalb richtet sich die Höhe des Kirchenbeitrages nach der wirtschaftlichen Situation der Kirchenmitglieder und nicht danach, wie häufig jemand persönlich an der Feier der Sakramente teilnimmt.

9. Nicht nur für wiederverheiratete Geschiedene, sondern für alle, die zur hl. Kommunion gehen wollen, gilt die ernste Mahnung des Apostels Paulus: "Jeder soll sich selbst prüfen; erst dann soll er vom (eucharistischen) Brot essen!"(1 Kor 11,28)

10. In Konfliktfällen wird sich der Christ/die Christin bemühen, größere Klarheit zu gewinnen, indem er/sie auf das Wort Gottes hört und offen ist für die kirchliche und menschliche Gemeinschaft. Letztlich gilt:"Dem sicheren Urteil seines Gewissens muss der Mensch stets Folge leisten." (Katechismus d. katholischen Kirche 1790)

Quelle: Karl Veitschegger, Theologe, Diözese Graz-Seckau - http://members.aon.at/veitschegger/texte/geschieden.htm


Das höchste Glück des Lebens
besteht in der Überzeugung,
geliebt zu werden.

Victor Hugo (1802 - 1885)
französischer Schriftsteller.


Ehe-Ökumene


Die Ehe im ökumenischen Verständnis

oekumenelogo

Ehe gilt in der katholischen Kirche als eines der sieben Sakramente. Auch nach orthodoxer, altkatholischer und anglikanischer Auffassung ist die Ehe ein Sakrament.

Für evangelische Christen ist die Ehe kein Sakrament. Sie wird wie Konfirmation und Krankensalbung als Segenshandlung betrachtet.

 

Der Unterschied zwischen einer evangelischen Trauung und einer katholischen Trauung besteht darin:

  • Die evangelische Trauung segnet den vor dem Standesamt geschlossenen Ehebund,
  • die katholische Trauung begründet ihn (auch dann, wenn die standesamtliche Trauung bereits vorausgegangen ist).

"Ökumenische Trauungen" gibt es nicht - obwohl dieser Begriff ständig benutzt wird. Was damit gemeint ist: die Eheschließung von konfessionsverschiedenen Partnern unter Mitwirkung von Geistlichen beider Konfessionen.
Für die "Gemeinsame Trauung", bei der wegen der Bindung der Brautleute zu der eigenen Kirche die Geistlichen beider Konfessionen mitwirken, gilt die Regel,

  • dass der katholische Geistliche die Trauung vornimmt, wenn sie in der katholischen Kirche stattfindet (=katholische Trauung, die den Ehebund begründet),
  • der evangelische Geistliche, wenn sie in der evangelischen Kirche erfolgt (=evangelische Trauung, die den bereits vor dem Standesamt geschlossenen Ehebund segnet).

Für den letzteren Fall ist für den katholischen Partner die bischöflichen Erlaubnis nötig.

Im Blick auf die Ehe haben die beiden großen christlichen Kirchen deutlich unterschiedliche Auffassungen.

Unterschiedliche Auffassungen zur Ehescheidung und Wiederverheiratung

Evangelische und katholische Lehre stimmen überein, dass eine Ehescheidung in keinem Fall eine normale Lösung sein kann, weil die Ehe auf Lebenszeit geschlossen wird; auch bei Krisen sollte die Bindung durchgehalten werden.
Sie stimmen ferner darüber überein, dass es Situationen gibt, wo das eheliche Zusammenleben nicht mehr zumutbar ist.

Allerdings ziehen sie daraus unterschiedliche Folgerungen.

  • Für die katholische Kirche ist eine Wiederverheiratung nicht möglich. Sie hält sich an das Wort Jesu, dass der Mensch nicht trennen kann, was Gott verbunden hat.
  • Die reformatorischen Kirchen vertreten dagegen - auch mit Blick auf Leben und Verkündigung Jesu - ein Verständnis des Evangeliums, wonach Barmherzigkeit und Vergebung gewährt werden müsse.

Die katholische und die evangelische Position berufen sich auf jeweils biblische Aussagen. Sie entsprechen jeweils einem zentralen Aspekt der Ehe.
Trotz erheblicher Unterschiede in Lehre und Praxis sind beide Kirchen aber in dieser Frage nicht unversöhnlich von einander getrennt, wenngleich die unterschiedlichen Auffassungen noch als kirchentrennend gelten.

 

Unabhängig von ihrem jeweiligen Verständnis der Ehe tun die christlichen Kirchen sehr viel, dass Ehen gelingen:

  • in Vorbereitungskursen,
  • im Gesprächstraining,
  • in Gesprächen und Beratung.

Quelle: Heinz Schütte: Glaube im ökumenischen Verständnis, Grundlagen christlicher Einheit. Ökumenischer Katechismus, Lembeck, Paderborn 1993
Professor für Systematische Theologie an der Universität Bonn und in der Zeit von 1979 bis 1981 Kommisarischer Leiter und von 1981 bis 1999 Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Johann-Adam-Möhler-Instituts für Ökumenik in Paderborn.


In der Gesellschaft wandelt sich das Bild von Ehe.
Auch im nahen Umkreis werden wir damit konfrontiert.
Vielen Ehepaaren fällt es schwer,
die lebenslange Ehe durchzuhalten.
Sie geben auf, sie können nicht mehr.

Hilf uns, Herr, zu zeigen,
dass der Bund, den wir als Ehepaar miteinander
in Deinem Namen geschlossen haben,
uns nicht einengt,
sondern uns weitet
und Liebe und Kraft schenkt.

Lass uns erkennen, Herr,
wenn ein Ehepaar in unserem Umkreis
es schwer miteinander hat,
hilf uns beizustehen.

Lass uns über geschiedene Ehepaare nicht urteilen,
hilf uns, das Leid zu lindem
und Freundschaft anzubieten und zu geben.


Zufriedene Paare

Das Geheimnis zufriedener Paare

1. Die Partner bemühen sich um die Harmonisierung der:

  • wirtschaftlichen Faktoren (Einkommen, Wohnung)
  • gesellschaftlichen Faktoren (Arbeitsplatz, Freundes- und Bekanntenkreis)
  • persönlichen Faktoren (Eigenheiten, Interessen, Vorlieben, christliche Lebenseinstellung)

Doch diese äußerst wichtigen Faktoren sind letztlich nicht das Entscheidende, damit eine Beziehung gelingt.

2. Die Partner erkennen die grundlegende Bedeutung folgender Fragen:

  • "Wie gehen wir aufeinander ein?"
  • "Können wir gut miteinander reden und uns mitteilen?"
  • "Wie tragen wir Meinungsverschiedenheiten aus?"
  • "Haben wir gelernt, einander richtig zuzuhören?"
  • "Können wir Probleme fair und für uns beide zufriedenstellend lösen?"
  • "Wie viel Zeit nehmen wir uns täglich füreinander?"
  • "Wie viel Zeit bleibt uns für ein wirklich persönliches Gespräch - ohne Fernseher und ... ??"

Weniger die Probleme, die auf ein Paar zukommen, gefährden die Beziehung, sondern die Art und Weise, wie das Paar damit umgeht. Vieles davon ist erlernbar und trainierbar!

3. Die Partner machen sich bewusst: "Liebe ist nicht herrisch !"

"Ich liebe dich!" bedeutet für sie nicht:

  • "Ich habe Anspruch auf dich!"
  • "Du musst jederzeit für mich da sein!"
  • "Kein Mensch darf für dich wichtiger sein als ich!",
  • "Du gehörst mir!"

Zeigt sich so wahre Liebe? Oder ist dies nicht Ausdruck von Selbstliebe?

"Ich liebe dich!" heißt für sie vielmehr:

"Du gehörst nicht mir, doch du gehörst zu mir!"

Die Welt ist so leer, wenn man nur Berge,
Flüsse und Städte darin denkt,
aber hie und da jemand zu wissen,
der mit uns übereinstimmt,
mit dem wir auch stillschweigend fortleben,
das macht uns dieses Erdenrund
erst zu einem bewohnten Garten.

Joh. Wolfgang von Goethe, 1749 - 1832
Dichter