vom gemeinsamen Priestertum der Gläubigen durch die
Weihe zur besonderen Teilnahme an der Sendung Christi


Allgemein

 

Zwei Arten der Teilhabe an dem einen Priestertum Christi

  • gemeinsames Priestertum aller Gläubigen
  • Amtspriestertum als besondere Teilhabe am Amt Jesu Christi

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Die ganze Kirche ist ein priesterliches Volk. Dank der Taufe nehmen alle Gläubigen am Priestertum Christi teil. Diese Teilhabe nennt man gemeinsames Priestertum der Gläubigen.
Auf seiner Grundlage besteht eine weitere Teilnahme an der Sendung Christi: der besondere Dienst. Dieser wird durch das Weihesakrament übertragen. und hat zur Aufgabe, im Namen und in der Person Christi, inmitten der Gemeinde zu dienen.

 

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Das amtliche oder hierarchische Priestertum der Bischöfe und Priester und das gemeinsame Priestertum aller Gläubigen nehmen "auf je besondere Weise am einen Priestertum Christi teil" und sind "einander zugeordnet", unterscheiden sich aber doch "dem Wesen nach".

Inwiefern?

Während das gemeinsame Priestertum der Gläubigen sich in der Entfaltung der Taufgnade, im Leben des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, im Leben gemäß dem Heiligen Geist vollzieht, steht das Amtspriestertum im Dienst dieses gemeinsamen Priestertums.
Es bezieht sich auf die Entfaltung der Taufgnade aller Christen. Es ist eines der Mittel, durch die Christus seine Kirche unablässig aufbaut und leitet. Deshalb wird es durch ein eigenes Sakrament übertragen, durch das Sakrament der Weihe.

Quellen:
Katechismus der katholischen Kirche, Rom 1997, Nr. 1546, 1547, 1591
Erwachsenenkatechismus der deutschen Bischofkonferenz, 1985, Bd.1, S. 380 ff sowie
Schreiben der Bischöfe des deutschsprachigen Raumes über das priesterliche Amt, DBK 1970 Nr 03 und unveränderter Nachdruck 1981

 

Neue Aspekte im Kirchenverständnis

"Das II. Vatikanische Konzil hat durch die Beschreibung der Kirche als Volk Gottes und als Gemeinschaft der Schwestern und Brüder Jesu Christi wichtige Akzente für unser heutiges Kirchenverständnis gesetzt.

Es betont die Teilhabe aller Getauften und Gefirmten am Dienst Jesu Christi zum Heil aller Menschen. Alle Christen sind kraft dieses gemeinsamen Priestertums befähigt zum Glaubenszeugnis, zum Dienst der Nächstenliebe, zur Feier des Gottesdienstes und zur Mitwirkung am Leitungsdienst.

Insbesondere in den Konzilsdokumenten über die Kirche (Lumen Gentium) und über die Kirche in der Welt von heute (Gaudium et Spes) wird deutlich, dass sich die Gestalt der kirchlichen Sendung unter der Führung des Geistes erneuern muss, damit in einer rasch sich verändernden Welt das Evangelium zeitgemäß bezeugt werden kann."

"Die neuen Akzente im Kirchenbild des II. Vatikanischen Konzils sind zwar in den vergangenen Jahren theologisch entfaltet und dargestellt worden; dennoch scheint ihre erneuernde Kraft im Bewusstsein und Leben der Kirche vielfach noch nicht wirksam geworden zu sein."

Quelle:
"Der pastorale Dienst in der Pfarrgemeinde", Veröffentlichung der deut. Bischofskonferenz, Nr.11, S. 7, Bonn 1995


Hinweise zum Weihesakrament und Zölibat

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Die Weihe ist das Sakrament, durch welches die Sendung, die Christus seinen Aposteln anvertraut hat, in der Kirche weiterhin ausgeübt wird bis zum Ende der Zeit. Sie ist somit das Sakrament des apostolischen Dienstes.

Das eine Weihesakrament entfaltet sich in drei Stufen:

  • 3. und höchste Weihestufe: Weihe zum Bischof
  • 2. Weihe zum Priester
  • 1. Weihe zum Diakon

Die heilige Weihe empfängt gültig nur ein getaufter Mann [vir]. Jesus, der Herr, hat Männer [viri] gewählt, um das Kollegium der zwölf Apostel zu bilden [Vgl. Mk 3,14-19; Lk 6,12-16], und die Apostel taten das gleiche, als sie Mitarbeiter wählten [Vgl. 1 Tim 3,1-13; 2 Tim 1,6; Tit 1,5-9], die ihnen in ihrer Aufgabe nachfolgen sollten [Vgl. Klemens v. Rom, Kor. 42,4; 44,3].
Katechismus der kath. Kirche, Rom 1997, Nr. 1536, 1577

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Gemäß Can. 290 des Codex Iuris Canonici lässt selbst der Verlust des klerikalen Standes ("Laisierung") die Weihe unberührt: "Die einmal gültig empfangene heilige Weihe wird niemals ungültig". Jedoch kann durch richterliches Urteil oder Verwaltungsdekret die Ungültigkeit der heiligen Weihe festgestellt werden (Can. 290, 1).

 

Weihesakrament und Zölibat

 

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Zölibat in der katholischen Kirche

In der lateinischen Kirche besteht grundsätzlich für alle Kleriker die Verpflichtung zum Zölibat. Bereits vorher verheiratete Weihekandidaten dürfen allerdings zum Diakon (dies ist regelmäßig der Fall bei so genannten ständigen Diakonen, die nicht zum Priester geweiht werden möchten) und in sehr seltenen Ausnahmefällen mit päpstlicher Dispens auch zum Priester geweiht werden (das wird manchmal bei verheirateten Geistlichen anderer christlicher Konfessionen erlaubt, die zum Katholizismus konvertieren).


Zölibat in den Ostkirchen

In den Ostkirchen gilt seit Jahrhunderten eine andere Ordnung: Während die Bischöfe ausschließlich unter Unverheirateten ausgewählt werden, können verheiratete Männer zu Diakonen und Priestern geweiht werden. Diese Praxis wird schon seit langem als rechtmäßig erachtet; diese Priester üben im Schoß ihrer Gemeinden ein fruchtbares Dienstamt aus. Übrigens steht der Priesterzölibat in den Ostkirchen sehr in Ehren, und zahlreiche Priester haben ihn um des Gottesreiches willen freiwillig gewählt. Im Osten wie im Westen kann, wer das Sakrament der Weihe empfangen hat, nicht mehr heiraten.
Katechismus der kath. Kirche, Rom 1997, Nr. 1580


Nicht die Gnade, die Paulus empfangen, begehr' ich,
Nicht die Huld, mit der du dem Paulus verziehen,
Die nur, die du dem Schächer am Kreuz gewährt hast,
nur die erfleh' ich.

Nikolaus Kopernikus, (1473 - 1543)
polnischer Domherr - Grabinschrift


Die Feier des Weihesakraments

Priesterweihe


Da das Sakrament der Weihe das Sakrament des apostolischen Dienstes ist, kommt den Bischöfen als Nachfolgern der Apostel die Vollmacht zu, "die geistliche Gabe" (2. Vatikanisches Konzil Dogmatische Konstitution über die Kirche "Lumen gentium" LG 21), die "apostolische Saat" (LG 20) weiterzugeben. Die gültig geweihten, das heißt die in der apostolischen Sukzession stehenden Bischöfe, sind die gültigen Spender der drei Stufen des Weihesakramentes.

Der wesentliche Ritus des Weihesakramentes besteht bei allen drei Stufen darin, dass der Bischof die Hände auf das Haupt des zu Weihenden legt und im jeweiligen Weihegebet von Gott die Ausgießung des Heiligen Geistes und der besonderen Gnadengaben für den Dienst erfleht, zu dem der Kandidat geweiht wird.

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Riten und Weiheakt

Wie bei allen Sakramenten umgeben Nebenriten die Feier. Sie sind in den verschiedenen liturgischen Überlieferungen sehr unterschiedlich, haben aber gemeinsam, dass sie die vielfältigen Aspekte der sakramentalen Gnade zum Ausdruck bringen.

So bezeugen im lateinischen Ritus die Eröffnungsriten - die Vorstellung und Wahl des Ordinanden, die Ansprache des Bischofs, die Befragung des Ordinanden, die Allerheiligenlitanei -, dass die Wahl des Kandidaten dem Brauch der Kirche entsprechend vorgenommen wurde. Sie bereiten auf den feierlichen Weiheakt vor.

Nach dem Weiheakt bringen weitere Riten das vollzogene Mysterium symbolisch zum Ausdruck und zum Abschluss:

Der Bischof und der Priester erhalten die Salbung mit dem heiligen Chrisam, dem Zeichen der besonderen Salbung durch den Heiligen Geist, der ihren Dienst fruchtbar macht;

Zeichen der apostolischen Sendung

  • Dem Bischof werden das Evangelienbuch, der Ring, die Mitra und der Stab überreicht zum Zeichen seiner apostolischen Sendung zur Verkündigung des Gotteswortes, seiner Treue zur Kirche, der Braut Christi, und seines Auftrags, der Hirte der Herde des Herrn zu sein.
  • Dem Priester werden die priesterlichen Gewänder angelegt sowie die Patene und der Kelch überreicht für "die Gabe des heiligen Volkes", die er Gott darbringen soll.
  • Dem Diakon werden Stola und Dalmatik angelegt. Als weiteres Zeichen für seine Sendung, das Evangelium Christi zu verkünden, wird ihm das Evangelienbuch übergeben.

Quelle: Katechismus der katholischen Kirche, 1573 f, 1576

Frauen und Priesteramt

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Nach aktueller katholischer Lehre kann das Weihesakrament nur Männern gültig gespendet werden.
Papst Johannes Paul II. bekräftigte in seinem Schreiben "Ordinatio Sacerdotalis"  (22. Mai 1994) die Auffassung, die kirchliche Tradition verbiete es, Frauen die Priesterweihe zu spenden.
Wesentliche Begründungen im Apostolischen Schreiben:
- die Vorgehensweise des Herrn bei der Erwählung der zwölf Männer
- Tatsache, dass Maria, die Mutter Gottes und Mutter der Kirche, nicht den eigentlichen Sendungsauftrag der Apostel und auch nicht das Amtspriestertum erhalten hat.

"Obwohl die Lehre über die nur Männern vorbehaltene Priesterweihe sowohl von der beständigen und umfassenden Überlieferung der Kirche bewahrt als auch vom Lehramt in den Dokumenten der jüngeren Vergangenheit mit Beständigkeit gelehrt worden ist, hält man sie in unserer Zeit dennoch verschiedenenorts für diskutierbar, oder man schreibt der Entscheidung der Kirche, Frauen nicht zu dieser Weihe zuzulassen, lediglich eine disziplinäre Bedeutung zu.
Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken (vgl. Lk 22,32), daß die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und daß sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben.
Aus dem Vatikan, am 22. Mai, dem Pfingstfest des Jahres 1994, dem 16. meines Pontifikates, Joannes Paulus PP II"

Weiterlesen: Frauen und Diakonsamt

Frauen und Diakonsamt

Dadurch, dass Papst Johannes Paul II. lehramtlich abschließend erklärt hat, dass die Weihe von Frauen zu Priestern nicht möglich ist, ist die Frage, ob es möglich ist, Frauen die sakramentale Diakonenweihe zu spenden, eigentlich ebenfalls abschließend geklärt.

Durch die dreifache Entfaltung des Weihesakramentes (Diakon – Priester – Bischof) sind die lehramtlichen Aussagen des Dokumentes "Ordinatio Sacerdotalis" auch auf die Diakonenweihe übertragbar.

Wäre dies nicht so, müsste man von verschiedenen Weihesakramenten oder einer nicht sakramentalen Weihe des Diakons ausgehen. Beides findet sich aber weder in kirchlicher Lehre noch in der kirchlichen Tradition.

Quellen: Katechismus der katholischen Kirche, 1554 ff; Wikipedia

 

Die Hoffnung - sie bleibt, trotz allem

Formulierungen der Deutschen Bischofskonferenz aus dem Jahr 1981 klangen noch zuversichtlich:

"Anders als die Frage des Priestertums stellt sich uns die Frage nach der Zulassung von Frauen zum sakramentalen Diakonat. Die Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland hat die Zulassung von Frauen zum Diakonat eingehend erörtert (Beschluß: „Die pastoralen Dienste in der Gemeinde“ 4.2). Sie empfiehlt, an die in Teilen der alten Kirche geübte Praxis der Weihe von Diakoninnen wieder anzuknüpfen. Darum hat sie den Papst gebeten, „die Frage des Diakonates der Frau entsprechend den heutigen theologischen Erkenntnissen zu prüfen und angesichts der gegenwärtigen pastoralen Situation womöglich Frauen zur Diakonatsweihe zuzulassen“ (Beschluß: „Die pastoralen Dienste in der Gemeinde“ 7.1 Votum 3). Diese Frage bedarf noch weiterführender Diskussion, vor allem aber einer größeren Übereinstimmung der Meinung in der gesamten Kirche."

Quelle: "Zu Fragen der Stellung der Frau in Kirche und Gesellschaft", Veröffentlichung der deutschen Bischofskonferenz, Bonn 1981, Nr. 30, S. 23 f


Habt Geduld mit der Kirche.
Die Kirche ist immer auch eine Gemeinschaft von schwachen und fehlerhaften Menschen.
Und ich möchte hinzufügen: Das ist zugleich unser aller Glück.
Denn in einer Kirche von nur Vollkommenen hätten wir wohl selber keinen Platz mehr.

Gott selbst will eine menschliche Kirche.
Deshalb kann es auch Kritik an der Kirche geben,
aber sie muss fair sein und getragen von großer Liebe zur Kirche.

Gott hat sein Heilswerk, seine Pläne und Anliegen in die Hand von Menschen gelegt.
Dies ist gewiss ein großes Wagnis;
aber es kann keine andere Kirche geben, als die von Christus gestiftete.

Er will uns Menschen als seine Mitarbeiter in der Welt und in der Kirche
mit all unseren Mängeln und Unzulänglichkeiten,
aber auch mit all unserem guten Willen und unseren Fähigkeiten.

Papst Johannes Paul II.
1920 bis 2005
Papst von 1978 bis 2005
Ansprache an die Jugendlichen der deutschsprachigen Schweiz, Einsiedeln, 15. Juni 1984


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