St. Josef im Wemdinger Viertel - Antwort auf die Herausforderungen der Zeit

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Durch Vertreibung, Flucht und Aussiedlung sowie durch viele Zuzüge aus Riesgemeinden stieg die Bevölkerung Nördlingens nach dem Zweiten Weltkrieg von 9.200 Einwohnern auf knapp 14.000 an.

Entlang der Straße nach Wemding entstand ein stetig wachsendes Siedlungsgebiet, das „Wemdinger Viertel" (1958: ca. 3.000 Einwohner). Städtebauliche Maßnahmen und das nach Selbständigkeit drängende Wohngebiet, das fast zur Hälfte katholische Einwohner zählte, ergaben für die katholische Kirchengemeinde St. Salvator neue Möglichkeiten und Aufgaben, fehlte es doch an einem geeigneten Kirchenraum.


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Seit dem Weihnachtsfest 1956 wurde nämlich im damals neugegründeten Kindergarten jeden Sonntag und Feiertag (mit wenigen Ausnahmen) das Heilige Messopfer für die älteren Bewohner des Wemdinger Viertels gefeiert.

Der damalige Stadtpfarrer von St. Salvator, Josef Hoser, erwarb von der Stadt Nörd­lingen ein großes Stück Bauland.

Neben der Errichtung eines Kin­dergartens „Im Mittelfeld" beabsichtigte er, einen würdigen Gottesdienstraum zu schaffen und darüber hinaus dem aufstrebenden Vier­tel eine religiöse Mitte zu geben.

1959 wurde deshalb ein Wettbewerb ausgelobt, zu dem die Architekten Franz Kotouczek (Nördlingen), Hansjakob Lill (München), Helmut Nossek (Neresheim) und Josef Ruf (Mindelheim) Entwürfe einreichten.

Regierungsbaumeister Hansjakob Lill aus München erhielt den Zuschlag und entwarf die Pläne für eine neue Kirche mit Pfarr­haus und Pfarrheim. Das Gesamtprojekt war in vier Baukörper gegliedert:

  • die Kirche
  • der Turm
  • ein eingeschossiger, flachgedeckter Bau für die Sakristei und Werktagskapelle
  • ein Gebäüde mit den Amts- und Wohnräumern, dem Jugendheim und dem Pfarrsaal im Obergeschoss

Nach nur zweijähriger Bauzeit empfing die Kirche am 29. September 1962 die Weihe von Bischof Josef Freundörfer und erhielt als Kirchenpatron „St. Josef der Arbeiter". Die Bezeichnung „St. Josef der Arbeiter" war zutreffend für die ab Mai 1964 von St. Salvator abgetrennte und zur selbständigen Stadtpfarrei erhobene Kirchengemeinde; bestand sie doch zum überwiegenden Teil aus Arbeitern.

Am Sonntag, dem 23. September 1962, fand der letzte Gottesdienst im Kindergarten, Im Mittelfeld 1, statt.


Die St.-Josefs-Kirche - Blickpunkt des Wohnviertels

josefkirche - Grundriss

 

Die Kirche von St. Josef - aufgrund der Grundstücksverhältnisse nach Südwesten ausgerichtet - fügt sich einerseits harmonisch ein in die Architektur des Wemdinger Viertels, andererseits hebt sie sich gegenüber den kubischen Wohn-, Geschäfts- und Industriegebäuden durch ihren besonderen Baustil heraus. Wie in altchristlicher Zeit setzte Lill den 24 m hohen runden weißen Turm mit seinen drei Glocken etwas abseits von der Kirche.

 

 

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Infolge des nahezu ovalen Grundrisses fehlen dem Bau harte Kanten. Die Mauer ist in sich geschlossen und den Wänden eines fast 50 m langen Schiffes zeichenhaft nachgebildet. Das Schiff ist Symbol der Reise.
Bewusst ist die Kirche innen und außen in Weiß gehalten.

 

Literatur:
Horst Eberhardt: Die St.-Josefs-Kirche in: "Nördlingen in seinen Kirchen und Kapellen" von Albert Schlagbauer
Josef Richter: Chronik der Stadtpfarrei St. Josef der Arbeiter Nördlingen, 1956-2008
Markus Würmseher: Kirchenbau im Bistum Augsburg 1945 bis 1970


Wenn du einen Würdigen siehst,
dann trachte, ihm nachzueifern.
Wenn du einen Unwürdigen siehst,
dann prüfe dich in deinem Inneren.

Konfuzius, 551 - 479 v. Chr.
chin. Philosoph