prägend für die Stadt,
bedeutend für die Region


Das Hostienwunder

 

Das Hostienwunder im Jahr 1381

 

hostienwunder

Die Salvatorkirche verdankt ihre Entstehung der tiefen Eucharistieverehrung und Wundergläubigkeit des Spätmittelalters.

Ein wundersames Ereignis im Jahr 1381 sollte für das religiöse Leben in der damals freien Reichstadt Nördlingen mit ihren etwa 4.000 Gläubigen weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen.

Am 17. April 1381 nämlich — so erzählt das Schreiben eines Karmelitenpriors aus dem Jahr 1447 — lag in einem alten, armseligen Haus des heutigen Salvatorgässchens ein Mann namens Ulrich Mayninger krank darnieder. Als ihm der Priester in Anwesenheit von zahlreichen Gläubigen das heilige Sakrament reichen wollte, gab der Fußboden nach, und alle stürzten in den Keller. Dabei gingen auch einige konsekrierte Hostien verloren und lagen unauffindbar im Schutt.

„Mit fleissiger Andacht und grösster Arbeit“ suchten die gesamte Priesterschaft, der Rat und die ganze Gemeinde danach. Schließlich fand man alle Hostien wieder, bis auf eine. Um diese vor einer möglichen Verunehrung zu schützen, zündete man „alles Gewelb und Erdreich“ mit „Stroh und Holtz“ an.

Unter der Asche aber fand sich hernach das verlorene Stück des Sakramentes „so gantz klar, lauter und unversehrt, wie es der Priester allererst aus der Büchsen genommen hatte“.

Das Anwesen wurde daraufhin abgebrochen und eingeebnet. Wollte man aber künftig das Vieh über diesen Platz treiben, dann scheuten die Tiere vor der bewussten Stelle – wo heute der Hochaltar von St. Salvator steht – und wichen ihr aus.

Der Rat der Stadt sah darin ein Zeichen des Himmels und ließ an dieser Stelle um 1385 eine Kapelle bauen.

Für die Gläubigen in Nördlingen war das Hostienwunder ein Fingerzeig Gottes, deshalb pilgerten sie zur Herrgottskapelle und gaben ihre Almosen. Die zahlreichen Mirakel, Gebetserhörungen und Heilungen, die in der Folgezeit hier geschahen und detailliert in dem o. g. Schreiben des Priors von 1447 aufgeführt sind, zogen immer mehr Wallfahrer aus nah und fern an.

Da die Kapelle bald zu klein wurde, entstand eine Wallffahrtskirche (die heutige Salvatorkirche)und ein Karmeliterkloster (das heutige Pfarrhaus) mit etwa 30 Mönchen, das die Pilger betreute.