über 300 Jahre: gelebte Ökumene in Deiningen
St. Martin: Simultankirche von 1616 bis 1961


Zur Ökumene in Deiningen

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Eine kirchenrechtliche Besonderheit Deiningens ist das sog. Simultaneum.

Im Jahre 1395 wurde das Dorf Deiningen zwei verschiedenen Herrschaften zugeteilt.  Dies führte im Jahre 1418 zur poltischen Teilung des Ortes. Die Trennung des Dorfes, bei der die von Westen nach Osten durchziehende Hauptstraße die Grenzlinie war, blieb bis 1731 erhalten.

Diese politische Teilung und der Grundsatz  "cuius regio, eius religio"  (wessen Herrschaftsgebiet, dessen Religion) waren zur Zeit der Reformation (in Deiningen zwischen 1550 und 1555) auch der Grund für die religiöse Aufspaltung der Dorfgemeinschaft in eine katholische und protestantische Hälfte .

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Die Martinskirche, damals die  einzige Kirche in Deiningen, lag bei dieser konfessionellen Teilung auf katholischem Gebiet und blieb deshalb katholisches Gotteshaus.

Der reformierte Ortsteil Deiningen wurde in der Folge nicht etwa eine eigenständige Pfarrei, sondern wurde zunächst dem etwa 1 km entfernten Klosterzimmern angegliedert (Klosterzimmern: ehemaliges Zisterzienserkloster - 1525 evangelisch -1559 säkularisiert).

Für die evangelischen Bewohner von Deiningen war dies natürlich äußerst beschwerlich. Sie  waren darüber sehr unglücklich und drängten auf eine Änderung.

Erst im Jahre 1616 wurde - nach Verhandlungen mit den beiden Herrschaftshäusern Oettingen-Oettingen und Oettingen-Alt-Wallerstein - die Martinskirche zum Simultaneum und diente sowohl den Katholiken als auch den Protestanten mit gleichen Rechten als Gotteshaus. Am Choraufgang wurde ein eigener Altar für den protestantischen Gottesdienst aufgerichtet.

Dieses Simultaneum bestand bis zum Jahr 1961. Dabei waren die beiden Konfessionen gezwungen, sich abzusprechen, zusammenzuarbeiten und auf einander Rücksicht zu nehmen.

Aufgrund dieser geschichtlichen Entwicklung wird Ökumene in Deiningen schon seit über 350 Jahren gepflegt. Natürlich gab es immer wieder Probleme, aber insgesamt nahm die Ökumene in Deiningen eine erfreuliche Entwicklung.

Heute besteht ein sehr gutes Einvernehmen zwischen den Angehörigen beider Konfessionen. Auf den verschiedensten Gebieten hat sich eine vertrauensvolle Zusammenarbeit in ökumenischem Geist entwickelt.

 

Literatur: Alois Gail: "Die Pfarrkirche und Pfarrgemeinde St. Martin" in "Deiningen inmitten des Rieses", S.293 ff
dto.: Bernhard Caesperlein, Bernhard Brenner: "Die evangelische Gemeinde", S.314 ff


Hüten wir uns davor, die Ruhmreichen zu spielen,
wer wir auch sein mögen, und was wir auch zu leisten vermögen,
wir bleiben immer nur, wie es im Evangelium heißt, unnütze Knechte -,
der Ruhm gehört Gott allein.

Franz Liszt (1811 -  1886)
Komponist, Pianist, Dirigent


Ökumenische Gemeindebücherei Deiningen

Träger der Bücherei

Die katholische und die evangelische Kirchengemeinde sowie die politische Gemeinde sind zu gleichen Teilen die Träger der "Ökumenischen Gemeindebücherei Deiningen".

Anschrift

St.-Martin-Straße 6
86738 Deiningen
Infotelefon: (09081) 8 05 02 95

Öffnungszeiten

Die Öffnungszeiten der Bücherei:

  • Montag:
    • 14.30 bis 16.00 Uhr;
    • 18.00 bis 19.00 Uhr;
  • Donnerstag:
    • 16.00 bis 18.00 Uhr

  

Die Bücherei steht auch allen Interessenten aus den Nachbarorten von Deiningen und aus der Pfarreiengemeinschaft Nördlingen zur Verfügung.


Zur Entstehung der Ökumenischen Gemeindebücherei Deiningen

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Pfarrer Jakob A. Bayer - katholischer Geistlicher in Deiningen von 1954  bis 1967 - begann am Ende seiner Dienstzeit in Deiningen,  eine öffentliche Bücherei aufzubauen.

Dieses Vorhaben griff sein Nachfolger, Pfarrer Hermann Resch - katholischer Geistlicher in Deiningen von 1967 bis 2000 - auf, führte das Projekt zielstrebig voran und konnte die Bücherei im Jahre 1968 eröffnen. Mit 150 Büchern, einem "Erbe" von Pfarrer Buck, begann das Projekt in einem großen Eckzimmer im Pfarrhaus. Zwei Frauen hatte Pfarrer Resch zur Unterstützung engagiert.

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In Zusammenarbeit mit dem St.-Michaelsbund wurden die ersten neuen  Bücher angeschafft. Das Angebot wurde in der Gemeinde dankbar angenommen und schon bald war das Zimmer im Pfarrhaus zu klein, sodass die Bücherei in den ehemaligen Anbetungsraum der kleinen Kapelle umzog, in der sie bis zur Jahrhundertwende bleiben sollte.

1998 gab Pfarrer Resch die Leitung der Bücherei in jüngere Hände. Es wurde ein Büchereiteam gebildet, das aus vier Frauen bestand. Alle Bücher wurden neu katalogisiert und die Ausleihzeiten an den Bedarf der Leser angepasst. Die Bücher können nun auch über die elektronische Ausleihe angefordert werden.

Im Zuge des Umbaus des katholischen Pfarrheims wurde die Bücherei im Obergeschoss untergebracht und im Dezember 2000 feierlich eingeweiht.

Seitdem sind zu gleichen Teilen die katholische und die evangelische Kirchengemeinde sowie die politische Gemeinde die Träger der Bücherei, die sich nun "Ökumenische Gemeindebücherei Deiningen" nennt.