sichtbare Gemeinschaft von Schwesterkirchen
Einheit in versöhnter Verschiedenheit


Die Einheit aller Christen - nur ein frommer Wunsch?

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Die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche bekennen wir Katholiken im Großen Glaubensbekenntnis (von Nizäa-Konstantinopel). Doch neben den zwei führenden christlichen Kirchen in Bayern, der römisch-katholischen und der evangelisch-lutherischen, finden sich allein in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Bayern zwölf weitere christliche Kirchen.
Die Vision der ökumenischen Bewegung ist die Gemeinschaft aller, die an Christus glauben.

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Ziel der ökumenischen Bewegung ist nicht

  • die Rückkehr einer Kirche in eine andere,
  • eine uniforme Einheitskirche.

Ziel der ökumenischen Bewegung

  • ist eine sichtbare Gemeinschaft von Schwesterkirchen,
  • ist eine Einheit der Kirchen, die Kirchen bleiben und eine Kirche werden
    (Kardinal Josef Ratzinger, Papst Benedikt XVI. von 2005 - 2013)
  • ist Einheit der Kirchen in versöhnter Verschiedenheit.

Kardinal Kurt Koch, Präsident des Päpstlichen Einheitsrates, fordert, dass gemeinsam zu klären sei: „Wie viel Einheit braucht es, und wie viel Vielfalt ist möglich?"

 

Der Auftrag Jesu an seine Kirche ist klar und eindeutig:

"Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, ... "

(Joh. 17, 21 - 23)


Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe
und wachsen in allen Stücken zu dem hin,
der das Haupt ist, Christus.

Epheser, 4, 15



Vieles eint katholische und evangelische (lutherische) Christen:

Bruecke

 

Zwischen katholischen und evangelischen Christen gibt es "ein hohes Maß von Gemeinsamkeiten, das auch mit dem Bild umschrieben werden kann, dass uns wie bei einer eingestürzten oder zerstörten Brücke noch viele verlässliche Pfeiler stehen geblieben sind und uns mehr Gemeinsames verbindet als Trennendes hindert." (Karl Kardinal Lehmann)


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Vieles eint uns:

  • der Glaube an Gott seinen Sohn Jesus Christus und an den Heiligen Geist
  • die Heilige Schrift als Wort Gottes
  • die Taufe und das "gemeinsame Priestertum" aller Getauften
  • der Glaube, dass wir von Gott geliebt und angenommen werden nicht aufgrund eigener Leistung, sondern allein aus Gnade
  • der Glaube, dass Gott durch den Hl. Geist unsere Herzen erneuert und uns zu guten Werken befähigt
  • der Glaube, dass Christus in der Eucharistie / im Abendmahl mit Leib und Blut wirklich gegenwärtig ist
  • das apostolische Glaubensbekenntnis das "Große Glaubensbekenntnis" (der Konzile von Nikaia 325 und Konstantinopel 381)
  • die Feier des Sonntags, viele Feste, Gebete, Lieder, etc.
  • der vielfältige Einsatz für soziale Gerechtigkeit Frieden und Bewahrung der Schöpfung

Quelle: Karl Veitschegger,Theologe, Diözese Graz-Seckau - http://members.aon.at/veitschegger/texte/evangelisch%20katholisch.htm


Ich erkläre mit Stolz, daß ich gläubig bin.
Ich glaube an die Macht des Gebetes.
Ich glaube nicht nur als gläubiger Katholik,
sondern auch als Wissenschaftler.

Guglielmo Marchese Marconi, (1874 - 1937),
italienischer Physiker und Ingenieur,



Was wirklich (noch) trennt

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"Die Tragik der Kirchenspaltung erweist gerade im Persönlichsten, wie es Ehe und Familie darstellen, ihre stärkste Macht. Hier erleben viele Menschen die jahrhundertelange Entfremdung furchtbarer als im öffentlichen Verhältnis der Kirchen selbst." (Karl Kardinal Lehmann)

Umfragen zeigen, daß die Zahl derer, die sich ein Zusammengehen der christlichen Konfessionen wünschen, in den letzten Jahren ständig gestiegen ist.

Wir laufen aber heute Gefahr, eine Ökumene ohne theologischen Tiefgang zu betreiben.

Denn bei allem Gemeinsamen können wir das Trennende nicht einfach ignorieren. Und leider gibt es doch auch einiges, was uns (noch) trennt.

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  • Im katholischen Kirchenverständnis ist der Papst Nachfolger des hl. Petrus und als solcher von Christus zum obersten Hirten der Kirche bestimmt (Mt 16,18f).
    Diesen Anspruch lehnen die Evangelischen (und auch die Orthodoxen) ab.
  • Nach katholischer (und orthodoxer) Überzeugung erhalten die Geistlichen im Weihe-Sakrament von Gott für immer eine besondere Prägung. Die Weihe bevollmächtigt sie zu einem Dienst, der sich von den Diensten der übrigen Getauften wesentlich unterscheidet. Diese Weihe kann nur von Bischöfen, die auch von Bischöfen geweiht worden sind, gültig weitergegeben werden. Diese Weihekette reicht bis zu den 12 Aposteln zurück (apostolische Sukzession).
    Die Evangelische Kirche lehnt diese ab. Sie sieht im Amt eine von Gott gewollte Funktion, die die Gemeinde übertragen kann. Allen vor-reformatorischen Kirchen fällt es daher schwer, das geistliche Amt der Protestanten voll anzuerkennen.
  • Nach katholischer (und orthodoxer) Lehre kann bei der Eucharistiefeier nur ein geweihter Priester Brot und Wein konsekrieren.
    Nach evangelischer Auffassung kann im Prinzip jede/r Getaufte das Abendmahl konsekrieren. Es besteht kein Unterschied zwischen der Vollmacht eines Pfarrers und der eines nur Getauften. Um Unordnung zu vermeiden, sollen jedoch auch nach evangelischen Kirchenordnungen nur geistliche Amtsträger/innen das Abendmahl leiten.
  • Katholischer (und orthodoxer) Glaube hält fest, dass Christus auch nach der Messe im eucharistischen Brot und Wein gegenwärtig bleibt. Die konsekrierten Gaben können in der Kirche aufbewahrt und verehrt werden.
    Für Evangelische wird das, was vom Abendmahl übrig bleibt, wieder zu gewöhnlichem Brot und Wein.
  • Die katholische (und orthodoxe) Kirche feiert sieben Sakramente,
    die evangelische Kirche nur die Taufe und das Abendmahl (Trauung, Konfirmation, Übertragung des Amtes etc. sind für sie nur Segnungen, aber keine Sakramente!)
  • Evangelische lehnen die Verehrung Marias und der Heiligen ab, weil sie befürchten, dass dadurch Gottes Ehre geschmälert wird.
    Katholische (und orthodoxe) Christen verehren in den Heiligen das vielfältige Wirken Gottes, der zu allen Zeiten Menschen in seinen Dienst gerufen hat.
    Die beiden katholischen Mariendogmen besondere Erwählung ("Rettung vor der Erbsünde") und Vollendung Marias ("Aufnahme mit Leib und Seele in den Himmel") sind nach evangelischer Ansicht unbiblisch.
    Katholische Christen sehen darin eine legitime und gottgewollte Entfaltung des biblischen Glaubens.
  • Das rechte Verständnis der Hl. Schrift ist nach katholischer Lehre durch die ununterbrochene Glaubenstradition des Gottesvolkes und das Lehramt gesichert.
    Evangelischer Glaube hält die Schrift allein für klar genug, um daran alle Lehren zu überprüfen ("Die Heilige Schrift legt sich selbst aus").
  • Gemeinschaft der Kirche spielt für Katholiken eine viel wichtigere Rolle als für Evangelische. Sie ist für Katholiken Sakrament des Heiles, d. h. sichtbares Zeichen und Werkzeug Gottes in der Welt.

Quelle: Karl Veitschegger,Theologe, Diözese Graz-Seckau - http://members.aon.at/veitschegger/texte/evangelisch%20katholisch.htm


Katholische Christen haben in den letzten Jahrzehnten viel von den evangelischen Brüdern gelernt
bezüglich der Bedeutung des Wortes Gottes, der Hl. Schrift und der Exegese;
sie lernen ihrerseits von uns über Bedeutung und Gestalt des Gottesdienst und gottesdienstlicher Symbolhandlungen.
Warum sollte in der Amtsfrage ähnliches nicht möglich sein?

Kardinal Walter Kasper


Ökumene - was tun?

Vortrag von Karl Kardinal Lehmann auf dem 31. Evangelischen Kirchentag vom 06. Juni bis 10. Juni 2007 in Köln - Ausschnitte -

Trennung = eingestürzte Brücke

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Es gibt ein hohes Maß von Gemeinsamkeiten, das auch mit dem Bild umschrieben werden kann, dass uns wie bei einer eingestürzten oder zerstörten Brücke noch viele verlässliche Pfeiler stehen geblieben sind und uns mehr Gemeinsames verbindet als Trennendes hindert.

Dennoch gibt es bei allen Erfolgen noch bestehende Hindernisse. Sie werden angesichts der wiedergewonnenen Gemeinsamkeit noch belastender. Es handelt sich hauptsächlich um drei Brennpunkte, die nicht zufällig zwischen Theorie und Praxis, Theologie und Alltag des Lebens angesiedelt sind:

  • das Fehlen vollwertiger gemeinsamer Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen, die uneingeschränkt anerkannt werden;
  • die kirchliche Anerkennung und seelsorgliche Begleitung konfessionsverschiedener Ehen;
  • das Warten auf eine gegenseitige Einladung und Anerkennung im Blick auf das Herrenmahl.

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Auswirkungen der Trennung: Tragik und Gefahr

lehmannDie Tragik der Kirchenspaltung erweist gerade im Persönlichsten, wie es Ehe und Familie darstellen, ihre stärkste Macht. Hier erleben viele Menschen die jahrhundertelange Entfremdung furchtbarer als im öffentlichen Verhältnis der Kirchen selbst.

ÖKUMENE IST HOFFÄHIG GEWORDEN - auf allen Veranstaltungen und Ebenen. Wir spüren aber auch, dass dieses Klima nicht ungefährlich ist. Schwerwiegende Differenzen, über die noch zu reden sein wird, werden eher zurückgestellt. Sie stören und sind lästig. Man geht ihnen aus dem Weg. Hier gibt es gewiss auch eine falsche Höflichkeit. Man hat sich dann in dem, was erreicht worden ist, recht und schlecht eingerichtet. Es lässt sich nicht leugnen: Je geringer die Differenzen geworden sind, umso schwieriger kann der Dialog werden.

DIESE OBJEKTIV HEIKLE SITUATION kann leicht zu falschen Grundeinstellungen führen. Man verfällt in Resignation, weil der ökumenische Frühling vorüber ist. Vielleicht hat man da und dort auch zu sehr und auch zu unreflektiert auf irreale Hoffnungen gesetzt. Viele sehen nur noch einen Stillstand auf dem Weg zur Einheit; der offizielle Ökumenismus bestätige nur sich selbst; darum sei der Rückzug auf kleine, lebendige Basisgruppen die einzige Rettung; die etablierten Kirchen seien letztlich reformunfähig; eine Stärkung dieses Ökumenismus sei - so heißt es - sogar unerwünscht, weil er nur die konservativen Kräfte in den Kirchen stütze.

Glaubwürdigkeit der Ökumene

Es gehört zur Nüchternheit und auch Glaubwürdigkeit der ökumenischen Arbeit, dass man sich des bleibenden Wegcharakters bewusst sein muss. Dabei werden Enttäuschungen und auch manchmal rückläufige Tendenzen unvermeidlich sein. Es gibt im Leben des Geistes und des Glaubens nie bloß breite Königsstraßen ohne verschlungene Pfade, Umwege und Holzwege, Abwege und Irrwege.

Dennoch wäre es fatal, wenn eine resignierende Grundstimmung sich gegen ihre letzte Absicht daran beteiligen würde, das immer noch brennende ökumenische Feuer löschen zu helfen. Wer die gewachsenen Differenzen in ihrer Tiefenwirkung zu gering schätzt und auf ihre ernsthafte Aufarbeitung meint verzichten zu können, wird nur Scheinerfolge erreichen können. Nach meiner Erfahrung sind jedoch nicht gedeckte Schecks in der Ökumene besonders gefährlich, weil nach ihrer Entlarvung die Enttäuschung entsprechend groß ist.

Ziel ökumenischer Bemühungen

Ziel ist eine theologische Übereinstimmung um der kirchlichen Einheit willen. Die Übereinstimmung muss freilich nicht alle Verschiedenheiten aufheben, sondern will nur jene überwinden, die kirchliche Gemeinschaft verhindern. Wir sprechen so von kirchentrennenden Differenzen.

Unter diesen Voraussetzungen bezieht sich der evangelisch-katholische Dialog vor allem auf die drei Gebiete:

  • Eucharistie
  • Kirchesein
  • Amt

Es lässt sich nicht übersehen, dass diese und andere Fragen, vor allem auch der Marien- und Heiligenverehrung, durch die am 31. Oktober 1999 unterzeichnete Vereinbarung zur Rechtfertigung zwischen dem Lutherischen Weltbund und dem sogenannten "Einheitsrat" in Rom eine ganz neue Dimension erhalten haben. Hier wurde ein Einvernehmen gefunden, trotz verbleibender Unterschiede im Einzelnen sind in Grundwahrheiten des Rechtfertigungsverständnisses keine kirchentrennenden Hindernisse gegeben.

Gefahren heute

WIR SIND HEUTE IN GEFAHR, eine Ökumene ohne theologischen Tiefgang zu betreiben. Dann belässt man es auch leicht bei den üblichen Forderungen an den ökumenischen Partner. Man hat dann selbstverständlich auch das Gefühl, es herrsche ein Stillstand, obgleich dies gar nicht so ist.

Wie soll es weitergehen?

Wie soll es weitergehen? Zunächst einmal müssen wir offen und aufrichtig die Situation bedenken. Ökumenische Gewissenserforschung tut Not. Aber dann müssten wir auch endlich intensiver die Themen angehen, die wir schon seit längerer Zeit immer wieder umgehen, wenngleich durchaus in der Ökumenischen Theologie einiges geschieht.

IM LAUF DER LETZTEN JAHRE ist mir immer wieder ein wichtiges Grundgesetz des ökumenischen Miteinanders in den Sinn gekommen. Gerade wenn man das eigene Profil stärker betont, wie es auch z.B. durch die Hervorhebung der Luther-Übersetzung der Bibel geschieht, gibt es ein gutes Kriterium, nämlich ob wir uns freuen können an der Stärke des anderen, nicht nur an Bach, sondern am Wiedererstehen der Frauenkirche in Dresden. Aus dieser Anerkennung des anderen und vielleicht zuerst oder manchmal auch auf längere Strecke Fremden wird echte und nachhaltige Gemeinschaft, die uns im Geist Jesu Christi enger zusammenführt.

Es bleibt das Gebet für die Einheit. Nichts ist wichtiger als die gemeinsame Fürbitte an den Herrn.

Es gibt vieles, was wir sofort könnten und was nicht verboten ist. Ich denke an eine gemeinsame Lesung der Heiligen Schrift, gerade auch im Blick auf den Alltag des Glaubens. Warum schweifen wir oft in die Weite, wo das Gute doch so naheliegt? Warum nutzen wir nicht auch das, was sofort und ohne Konflikt angepackt werden kann. Ökumene ist nichts Extravagantes, sondern muss intensiv den Alltag beherrschen.


Die noch zu lösenden Probleme sind so schwierig,
dass wir viel Zeit, Geduld und Energie brauchen,
auch guten Willen, um weiterzukommen.
Die leichter zu lösenden Probleme sind gelöst,
die Zeit der schnellen Erfolge ist damit vorbei.

Johannes Friedrich,
Landesbischof der evang. Kirche in Bayern von 1999 bis 2011


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