kle-kirche-alt

1817 wurde die Kirche am Johanniterschloss durch einen Blitzeinschlag im Kirchturm baufällig. Außerdem war die Kirche von einem sumpfigen Friedhof umgeben, in dem die Leichen, wie ein Gutachten bestätigte, kaum verwesten und im Sommer durch die dünne Grasnarbe rochen. In der drangvollen Enge der kleinen Kirche ließ sich kaum eine andächtige Ruhe finden. Von den 530 kirchenpflichtigen Seelen fanden nur 215 Personen Platz.

Mit Hilfe des neuen Schlossbesitzers Freiherr Max von Welden und seiner Gemahlin Amalie, die dem jungen und klugen Pfarrer Christian Gerhard sehr zugetan waren, konnte ein Ministerialbeamter in München dazu gewonnen werden, die Finanzierung einer neuen Kirche durchzusetzen. König Maximilian Joseph I. sah im Kleinerdlinger Kirchenbau eine Gelegenheit die neugewonnene Bevölkerung des Rieses für sich zu gewinnen und die damalige Hungersnot zu lindern.

Die Kirche erbaute er in dem von ihm favorisierten Klassizismus. Im Kleinerdlinger Kirchenbau versuchte er alle Stilrichtungen der europäischen Länder zu vereinen. Im Taufstein der in der Mitte vor dem Chorraum platziert wurde wollte er alle getauften Christen zusammenführen. Ein weiteres Zeichen zur Zusammenführung der Christen ließ er setzen indem er evangelische Seitenaltarbilder und ein orthodoxes Hauptaltarbild malen ließ.

So übernahm der König alle anfallenden Bau- und Ausstattungskosten. Der Grundstein des Gotteshauses wurde am 29. August 1821 gelegt. Die Kirche war früher fertiggestellt, als geplant und wurde am 22. August 1824 vom Bischof Ignatius von Riegg unter großer Teilnahme der Rieser Bewohner feierlich eingeweiht. In der Kulturkampfzeit musste sich der Pfarrer sehr bemühen die „katholische Gesinnung“ zu bewahren.

In dieser Zeit fühlte sich die Gemeinde in der protestantisch orientierten Kirche nicht mehr wohl und so spendete eine Bäuerin (1885) von ihrem Vermögen neue Seitenaltäre einen neuen Hochaltar und eine neue Kanzel, als auf Grund eines Deckeneinsturzes eine umfassende Kirchensanierung nötig wurde.

Die Kirche wurde nun im Stil der Neo-Renaissance-Stilistik ausgestattet, die auf das katholische Eucharistieverständnis ausgerichtet war. Die farbigen Glasfenster und der Ernst der Nazarener-Figuren erzeugten nun eine mystische Stimmung. Auch bei der Anschaffung eines barocken Kreuzweges (1859) stieß der damalige Pfarrer auf eine hohe Spendenbereitschaft.

In der Nachkriegszeit erlebte die Kirche eine komplette Umgestaltung. Zuerst musste 1952 der Hochaltar weichen. 1953 wurde dann der Chorraum neu gestaltet und drei neue Glocken geweiht. Man wollte den Hochaltar damals verbrennen, aber Bürgermeister Schön brachte ihn auf den Speicher des Pfarrhauses. 1962 wurden die Seitenaltäre und die Kanzel verbrannt und auch der barocke Kreuzweg von 1859 musste weichen. 1975 entdeckte Herr Pfarrer Feil den Hochaltar im Speicher des Pfarrhauses und stellte ihn wieder in der Kirche auf. Auch der barocke Kreuzweg kam wieder in das Gotteshaus und auch die Seitenaltarbilder erhielten wieder ihren Platz.


Wer für die Zukunft sorgen will,
muss die Vergangenheit mit Ehrfrucht
und die Gegenwart mit Misstrauen aufnehmen.

Joseph Joubert, 1754 - 1824
franz. Essayist


Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.